Vom Laserscanner zum bildbasierten Codeleser: Wann sich der Umstieg in der Fördertechnik lohnt
Viele Förderstrecken nutzen noch Laserscanner, die vor 15 oder mehr Jahren installiert wurden. Diese Systeme haben lange zuverlässig gelesen, doch mit neuen Anforderungen steigt der Wartungsaufwand. Codes werden gedreht aufgeklebt, Lieferanten liefern DataMatrix statt Strichcode, Etiketten kommen zerkratzt oder unter Folie an. Folge sind vermehrte Fehllesungen und teure Serviceeinsätze bei jeder Konfigurationsänderung. Dieser Leitfaden erläutert, woran Sie erkennen, wann sich der Umstieg auf einen kamerabasierten Codeleser lohnt, und welche Punkte bei der Migration zu beachten sind.
Wichtige Punkte im Überblick
- Laserscanner lesen nur in einer Orientierung, beherrschen keine 2D-Codes und binden über kostenpflichtige Serviceeinsätze an den Integrator.
- Bildbasierte Codeleser dekodieren dagegen jede Drehlage und lesen 1D- und 2D-Codes mit derselben Hardware.
- Typische Retrofits sind Palettenförderer und Drehteller, für schnelle Sorter über 150 m/min eignet sich ein Leser der Modellreihe SR-5000.
- Folie, Sonneneinstrahlung und geringer Kontrast gehören mit den schlechtesten Originaletiketten in den Vortest, denn reflektierende Verpackungsfolie ist dokumentiert kein grundsätzliches Hindernis.
- Kamerabasierte Leser der Modellreihe SR-X lassen sich über das SR Web Tool in Eigenregie parametrieren und bieten gängige Schnittstellen wie TCP/IP, PROFINET und RS-232C.
Warum Laserscanner an ihre Grenzen stoßen
Ein Laserscanner tastet den Code mit einer beweglichen Laserlinie ab. Das funktioniert gut, solange der Strichcode quer zur Abtastlinie liegt, gut gedruckt und unbeschädigt ist. Genau diese Voraussetzungen sind im realen Förderbetrieb aber immer seltener gegeben.
- Nur eine Leserichtung: Ein hochkant oder seitlich gedrehter Code wird von der Abtastlinie nicht sauber erfasst. In der Praxis werden deshalb an einer einzigen Station häufig mehrere Laser redundant verbaut, um verschiedene Orientierungen abzudecken, mit entsprechendem Verkabelungs- und Wartungsaufwand.
- Keine 2D-Fähigkeit: Ein Laserscanner liest keine DataMatrix- und keine QR-Codes. Sobald ein Kunde oder Lieferant 2D-Codes vorschreibt oder Sie im Zuge einer Rückverfolgungs-Initiative auf DataMatrix umstellen, ist die Technik am Ende ihres Lebenszyklus.
- Schwäche bei Grenzfällen: Beschädigte, unscharf gedruckte oder kontrastarme Codes bringen Laserscanner an ihre Grenzen. Viele der heute noch laufenden Geräte sind 14 bis 20 Jahre im Einsatz, ihre Empfindlichkeit gegenüber Etikettenqualität steigt mit dem Alter der optischen Baugruppe.
- Abhängigkeit vom Integrator: Konfigurationsänderungen an gewachsenen Altanlagen erfordern oft den Serviceeinsatz eines Dritten. Wer eine neue Codeart aufnehmen oder einen Filter anpassen will, wartet auf einen Termin und zahlt dafür.
Wenn sich diese Probleme häufen, ist ein geplanter Umstieg meist wirtschaftlicher als der Weiterbetrieb; die Kosten verstecken sich in Fehllesungen, Nacharbeit und Serviceverträgen. Ein einzelner Laserscanner kann noch zuverlässig arbeiten, problematisch wird jedoch die Summe aus mehreren redundanten Geräten pro Station, deren Ersatzteilversorgung ausläuft und deren Konfiguration niemand im Unternehmen mehr eigenständig ändern kann. Diese schleichende Abhängigkeit treibt viele Umstiegsprojekte an, nicht ein einzelner spektakulärer Ausfall.
So arbeiten bildbasierte Codeleser
Ein bildbasierter Codeleser nimmt statt einer Abtastlinie das gesamte Etikett als Bild auf und dekodiert den Code per Bildverarbeitung. Daraus ergeben sich die entscheidenden Vorteile gegenüber der Lasertechnik:
- Lesung in jeder Orientierung: Weil die Kamera das komplette Sichtfeld erfasst, spielt die Drehlage des Codes keine Rolle mehr. Der SR-2000 liest „alle Codes, alle Positionen“ und dekodiert Codes problemlos auch an rotierenden Objekten. Redundante Einzellaser für verschiedene Ausrichtungen entfallen damit oft.
- 1D und 2D mit demselben Gerät: Kamerabasierte Leser dekodieren Strichcodes und 2D-Codes wie DataMatrix und QR mit derselben Hardware. Das macht die Station zukunftssicher, wenn sich die Symbologie ändert.
- Reserve bei Leseabstand und Tiefenschärfe: Der kompakte SR-X liest bis 1.000 mm Leseabstand, der SR-2000 als Leser mit „extrem großem Leseabstand“ bis 2.000 mm. Ein Gerät mit großem Sichtfeld und hoher Tiefenschärfe deckt damit den Bereich ab, für den früher mehrere Einzellaser nötig waren.
- Toleranz gegenüber Grenzfällen: Über AI-gestützte Filter (etwa für Beschädigung, Kratzer, niedrigen Kontrast oder ungleichmäßige Färbung) dekodieren moderne Kameraleser auch Codes, an denen ältere Technik scheitert.
Typische Retrofit-Szenarien
Der Umstieg lohnt sich selten „auf einen Schlag“, sondern beginnt dort, wo die Fehllesungen am meisten stören. Aus der Praxis wiederkehrend:
- Palettenförderer und Drehteller: NVE-/SSCC-Lesung an Umreifungs- und Etikettierstationen, an Vertikalförderern und Drehtellern. Das Etikett kann auf einer von zwei Palettenseiten sitzen, ein Kameraleser mit ausreichendem Sichtfeld deckt beide ab, wo früher zwei Laser standen.
- Sorterbänder mit höheren Geschwindigkeiten: Für schnelle Förderstrecken bietet der SR-5000 ein besonders großes Sichtfeld und eine sehr hohe Tiefenschärfe und liest an Förderbändern mit Geschwindigkeiten über 150 m/min. Für reine Etikettenlesung auf Hochgeschwindigkeits-Förderbändern, also den klassischen Ersatz eines Laserscanners im Sinne von Geschwindigkeit, ist der SR-L als Highspeed-Label-Codeleser konzipiert, der die Vorteile eines Laserscanners mit der Fähigkeit eines Kamerasystems kombiniert, auch beschädigte und 2D-Codes zu lesen.
- Mischpaletten und variable Codegrößen: Ladungsträger mit einem oder zwei SSCC-Labels und wechselnden Codegrößen sind für einen Kameraleser unkritisch, während ein Laserscanner für jede Variante neu justiert werden müsste.
Lesen durch Stretchfolie, bei Sonnenlicht und geringem Kontrast
Der häufigste Grund, warum ein Umstieg im Betrieb enttäuscht, ist ein Vortest mit unrealistischen Mustern. Testen Sie deshalb genau die Bedingungen, die Ihnen heute Probleme machen:
- Etiketten unter Folie: NVE-/SSCC-Labels liegen an Paletten oft unter einer oder zwei Lagen Stretchfolie (Praxiswert). Reflexionen und Verzerrungen der Folie sind der eigentliche Störfaktor, testen Sie mit umwickelten Paletten, nicht mit glatt aufgeklebten Mustern. In der Anwendung ist reflektierende Verpackungsfolie für die Lesung im Wareneingang dokumentiert kein Hindernis, und Codes werden auch trotz Faltenbildung gelesen.
- Sonneneinstrahlung: An Toren und Außenförderern kann direktes Sonnenlicht die Lesung stören. Planen Sie diesen Faktor bei der Positionierung und Abschirmung von Anfang an ein.
- Geringer Kontrast: Kontrastarme oder ungleichmäßig gefärbte Etiketten sind ein klassischer Grenzfall. Bewerten Sie die Leserate immer mit Originaletiketten aus dem laufenden Betrieb, bewusst auch mit den schlechtesten Exemplaren.
Ein belastbarer Vortest mit echten Etiketten ist der wichtigste Schritt der gesamten Migration. Er entscheidet, ob die neue Station im Alltag wirklich weniger Fehllesungen produziert als die alte.
Parametrierung in Eigenregie statt Integrator-Abhängigkeit
Ein zentraler wirtschaftlicher Vorteil kamerabasierter Leser liegt neben der Lesequalität in der eigenständigen Konfigurierbarkeit. Wo Änderungen an Laser-Altanlagen einen bezahlten Serviceeinsatz auslösen, lässt sich ein moderner Kameraleser im eigenen Haus anpassen.
- Konfiguration über den Webbrowser: Der SR-X wird über das SR Web Tool im Webbrowser eingerichtet und überwacht; ein Web Navigator führt durch die intuitive Einrichtung. Codearten, Filter und Schnittstellen passen Ihre eigenen Mitarbeiter an, ohne Wartezeit auf einen externen Termin.
- Webbasierte Überwachung der Leseraten: Mit Werkzeugen wie dem Web Multi Monitor lässt sich der Betrieb überprüfen, und ein Web Traceability Tool dokumentiert, welche Codes wann und warum nicht gelesen werden konnten. So erkennen Sie schleichende Verschlechterungen der Leserate früh, bevor sie zum Prozessproblem werden.
Diese Eigenständigkeit senkt nicht nur laufende Kosten, sie verkürzt auch die Reaktionszeit, wenn sich Etiketten oder Codearten ändern.
Migrations-Checkliste
Planen Sie die Umstellung stationsweise, vom Pilot zur Serie:
- Montageabstände prüfen: Bewerten Sie, ob die vorhandenen Einbauabstände (in engen Maschinenlayouts teils nur rund 180 mm) beibehalten oder neu ausgelegt werden. Ein Kameraleser mit größerer Tiefenschärfe eröffnet oft Spielraum.
- Schnittstellen klären: Alle Modellreihen SR unterstützen gängige Schnittstellen wie TCP/IP, EtherNet/IP, PROFINET und RS-232C; bei SR-X ist EtherCAT über die Kommunikationseinheit SR-EC1 verfügbar. Klären Sie früh, was SPS und WMS erwarten.
- 2D-Readiness einplanen: Auch wenn Sie heute nur 1D lesen, wählen Sie ein Gerät, das DataMatrix und QR ohne Hardwarewechsel mitbringt.
- Stationsweise vorgehen: Starten Sie an der kritischsten Station, vergleichen Sie die Leserate direkt mit dem Altgerät und rollen Sie erst danach aus.
Fazit
Der Umstieg vom Laserscanner auf einen bildbasierten Codeleser lohnt sich, wenn Drehstellungen, 2D‑Codes oder beschädigte und folierte Etiketten Fehllesungen verursachen oder wenn jede Konfigurationsänderung einen externen Serviceeinsatz erfordert. Kamerabasierte Leser dekodieren unabhängig von der Orientierung, lesen 1D‑ und 2D‑Codes mit derselben Hardware und lassen sich eigenständig parametrieren und überwachen. Entscheidend für den Erfolg sind ein realistischer Vortest mit Ihren schlechtesten Originaletiketten und eine stationsweise Migration mit direktem Vergleich der Leseraten.
Häufige Fragen
F Wann sollte ich einen Laserscanner an der Förderstrecke ersetzen?
A
Sobald sich Fehllesungen an gedrehten, beschädigten oder kontrastarmen Codes häufen, DataMatrix- oder QR-Codes gefordert werden oder jede Konfigurationsänderung einen kostenpflichtigen Serviceeinsatz auslöst. In diesen Fällen sind die versteckten Kosten des Weiterbetriebs meist höher als eine geplante Umstellung.
F Kann ein bildbasierter Codeleser Codes in jeder Orientierung lesen?
A
Ja. Weil die Kamera das gesamte Sichtfeld als Bild erfasst, spielt die Drehlage des Codes keine Rolle. Der SR-2000 dekodiert Codes an allen Positionen und auch an rotierenden Objekten, redundante Einzellaser für verschiedene Ausrichtungen entfallen dadurch oft.
F Liest ein Kameraleser auch Codes unter Stretchfolie?
A
Reflektierende Verpackungsfolie ist für kamerabasierte Leser dokumentiert kein grundsätzliches Hindernis, und Codes werden auch trotz Faltenbildung gelesen. In der Praxis liegen NVE-/SSCC-Etiketten oft unter ein bis zwei Lagen Folie, testen Sie diese Bedingung immer mit umwickelten Originalpaletten, da Reflexionen der eigentliche Störfaktor sind.
F Kann ich einen Kameraleser selbst konfigurieren?
A
Ja. Der SR-X wird über das SR Web Tool im Webbrowser eingerichtet und überwacht, ein Web Navigator führt durch die Einrichtung. Codearten, Filter und Schnittstellen passen Ihre eigenen Mitarbeiter an, ohne auf einen externen Serviceeinsatz warten zu müssen.
F Welche Schnittstellen bieten kamerabasierte Codeleser?
A
Die Modellreihen SR unterstützen gängige Schnittstellen wie TCP/IP, EtherNet/IP, PROFINET und RS-232C; beim SR-X ist EtherCAT über die Kommunikationseinheit SR-EC1 verfügbar. Klären Sie vor dem Rollout, welche Schnittstelle Ihre SPS und Ihr WMS erwarten.
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