Scantore im Wareneingang und Warenausgang: Paletten im Vorbeifahren erfassen

Eine unverbuchte Palette fällt selten sofort auf. Im System ist sie nicht dort erfasst, wo sie tatsächlich steht, und die Differenz zeigt sich oft erst Wochen später, wenn ein Kundenauftrag nicht kommissioniert werden kann oder die Jahresinventur Bestände korrigieren muss. Die Ursache ist meist schlicht: Unter Zeitdruck wird der Handscan einer Palette ausgelassen. Ein Scantor, auch Scangate genannt, setzt genau hier an. Er erfasst alle Codes einer Palette automatisch, während der Stapler durch das Tor fährt. Dieser Artikel erläutert, wie ein Scantor funktioniert, welche Kriterien bei der Auslegung wichtig sind und wie Sie vom Pilottor zu einem flächendeckenden Rollout gelangen.

Wichtige Punkte im Überblick

  • Unter Zeitdruck übersprungene Handscans führen zu unverbuchten Paletten, die erst bei der Jahresinventur auffallen und Versand, Disposition und Kundenzusagen belasten.
  • Ein Scantor erfasst mit mehreren fest montierten, kamerabasierten Codelesern der Modellreihe SR-5000 alle Palettencodes beidseitig und in beiden Fahrtrichtungen, ohne dass der Stapler anhält.
  • Weil eine Palette viele Codes plus Codes am Stapler trägt, verarbeitet eine Filterung nach Codeart und Inhaltspräfix nur die relevante Ladungs-ID und vermeidet Doppelbuchungen.
  • Etiketten sitzen an beliebiger Position auf bis zu 3 m hohen und 1,2 bis 2,4 m breiten Paletten, weshalb Sichtfeld und Leserzahl je Seite auf den ungünstigsten Fall auszulegen sind.
  • Werden zusätzlich Stapler-ID und Ladungs-ID im selben Durchfahrtsereignis verknüpft, entsteht eine lückenlose Rückverfolgung vom Wareneingang bis zur Verladung.

Die versteckten Kosten unverbuchter Paletten

Der manuelle Scan jeder einzelnen Palette ist ein Prozessrisiko. Er hängt von der Sorgfalt und der verfügbaren Zeit des Fahrers ab, und beides schwankt im Tagesgeschäft.

  • Bestandsdifferenzen: Wird ein Scan übersprungen, weichen System- und Ist-Bestand voneinander ab. Solche Differenzen belasten Versand, Disposition und die Zusagen, die Sie Ihren Kunden machen.
  • Späte Entdeckung: Fehlende Buchungen tauchen oft erst bei der Jahresinventur auf, dann ist die Ursache kaum noch rekonstruierbar, und die Korrektur kostet doppelt.
  • Jeder Handscan ein Risiko: Solange die Erfassung an einem manuellen Schritt hängt, bleibt das Risiko bestehen. Die Automatisierung setzt deshalb genau an der Durchfahrt an, dort, wo die Palette den Verantwortungsbereich ohnehin wechselt.

Der Schaden ist dabei nicht auf die einzelne fehlende Buchung begrenzt. Eine unverbuchte Palette verfälscht die Verfügbarkeitsrechnung: Das System hält Ware für belegt oder frei, die es physisch nicht ist. Daraus entstehen Fehldispositionen, unnötige Nachbestellungen und im schlechtesten Fall nicht erfüllbare Kundenzusagen. Weil der Fehler an der Quelle klein und unsichtbar ist, wird er im weiteren Prozess immer teurer, je später er auffällt.

So funktioniert ein Scantor

Ein Scantor besteht aus mehreren fest montierten, kamerabasierten Codelesern, die den Durchfahrtsbereich abdecken. In der dokumentierten Anwendung im Wareneingang erfasst ein Scangate mit Codelesern der Modellreihe SR-5000 die Palettencodes automatisch beim Vorbeifahren mit einem Hubwagen oder Gabelstapler, ohne dass der Fahrer absteigen oder anhalten muss.

  • Beidseitige Erfassung: Weil das Etikett auf einer von zwei Palettenseiten sitzen kann, werden die Leser ein- oder zweiseitig montiert, sodass linke und rechte Seite abgedeckt sind. Auch die Batch-Lesung gestapelter Paletten ist so möglich.
  • Beide Fahrtrichtungen: Ein gut ausgelegtes Tor erfasst in beiden Fahrtrichtungen, sodass ein- und ausfahrende Ladungsträger gleichermaßen gebucht werden. Der Abstand zwischen Stapler und Tor sollte dabei definiert und eingehalten werden (Projekt-Erfahrungswert).
  • Spiegel für beengte Situationen: Für schwierige Einbaulagen bietet die Modellreihe SR-5000 Zubehör wie Anschlussboxen, Spiegel oder Montagehalterungen, mit denen sich auch enge Torgeometrien abdecken lassen.

Viele Codes pro Palette, und nur die richtigen zählen

Eine Palette trägt im Durchfahrtsbereich oft weit mehr Codes als die eine relevante Ladungs-ID. In dokumentierten Projekten finden sich zwölf Codes auf linker und rechter Palettenseite, dazu Codes am Stapler selbst (etwa ITF und DataMatrix). Ein Scantor muss deshalb nicht nur lesen, sondern auch auswählen:

  • Filterung nach Codeart und Inhalt: Nur die gewünschten Codes werden verarbeitet, etwa nach Symbologie oder nach einem definierten Inhaltspräfix. So gelangen Fremd- und Nebencodes gar nicht erst in die Buchung. (Die Filterung ist eine übliche Codeleser-Funktion; die konkrete Einrichtung erfolgt gerätespezifisch.)
  • Doppellesungen vermeiden: Im Portalbereich, in dem mehrere Leser dieselbe Palette sehen, muss dieselbe ID einer Palette eindeutig einem Durchfahrtsereignis zugeordnet werden, ohne dass Mehrfachlesungen zu doppelten Buchungen führen.

Diese Selektion ist entscheidend: Ein Tor, das „alles liest“, erzeugt Datenrauschen; ein Tor, das gezielt die richtigen Codes liest, erzeugt saubere Buchungen. Die Qualität eines Scantors bemisst sich deshalb nicht nur an der Leserate, sondern ebenso an seiner Fähigkeit, aus vielen erfassten Codes den einen richtigen sicher herauszufiltern.

Planen Sie die Filterlogik früh mit dem WMS-Verantwortlichen ab. Welche Symbologie und welcher Inhaltspräfix die relevante Ladungs-ID kennzeichnen, ist eine fachliche Festlegung, die vor der Inbetriebnahme feststehen sollte, sonst wird das Tor technisch korrekt lesen, aber die falschen oder zu viele Codes an das System übergeben.

Auslegungsfaktoren

Ob ein Scantor im Alltag zuverlässig arbeitet, entscheidet sich in der Auslegung. Die folgenden Randbedingungen stammen aus realen Projekten und sollten früh geklärt werden:

  • Palettenhöhe und -breite: Etiketten können an beliebiger Position auf bis zu 3 m hohen und 1,2 bis 2,4 m breiten Paletten sitzen (Anwendungs-Randbedingung). Die Modellreihe SR-5000 unterstützt je nach Modell Leseabstände bis 3.000 mm bzw. bis 4.000 mm und lässt sich damit auch in großem Abstand zur Durchfahrt montieren. Sichtfeldhöhe und Zahl der Leser je Seite ergeben sich aus der maximalen Palettenhöhe (die konkreten Sichtfeldwerte sind Projekt-Erfahrungswerte).
  • Freie Etikettenposition: Da das Etikett überall auf der Palette liegen kann, muss das kombinierte Sichtfeld der Leser die gesamte Seitenfläche erfassen, nicht nur eine erwartete Zone.
  • Lesung durch Folie: NVE-/SSCC-Etiketten liegen häufig unter ein bis zwei Wickellagen Stretchfolie (Praxiswert). Sichern Sie diese Bedingung im Vortest mit umwickelten Originalpaletten ab; reflektierende Verpackungsfolie ist dokumentiert kein grundsätzliches Hindernis.
  • Torgeometrie: Durchfahrtsbreite, Höhe des Sichtfelds und Montagepunkte müssen zur baulichen Situation passen. Hier zahlt sich eine frühe Abstimmung zwischen Logistik, Haustechnik und Systemauslegung aus.
  • Fahrgeschwindigkeit und Abstand: Wie schnell der Stapler durchfährt und welchen Abstand er zum Tor hält, beeinflusst die sichere Lesung. Ein definierter, im Betrieb realistisch einhaltbarer Durchfahrtsablauf gehört deshalb zur Auslegung, nicht erst zur Schulung der Fahrer.

Faustregel für die Auslegung: Bewerten Sie immer den ungünstigsten Fall, nicht den Normalfall. Die niedrigste Etikettenposition auf der höchsten Palette, das am stärksten mit Folie umwickelte Exemplar und die schnellste realistische Durchfahrt bestimmen gemeinsam, ob das Tor im Alltag zuverlässig bleibt. Ein Tor, das nur unter Idealbedingungen liest, verschiebt das Problem der übersprungenen Buchung lediglich vom Handscan auf die Technik.

Stapler-ID und Ladungs-ID verknüpfen

Ein Scantor kann mehr als nur die Palette buchen. Weil im selben Durchfahrtsereignis auch Codes am Fahrzeug im Sichtfeld liegen, lassen sich Stapler-ID und Ladungs-ID miteinander verknüpfen:

  • Wer hat welche Palette bewegt? Codes am Fahrzeug identifizieren den Stapler, die Etiketten die Ladung, erfasst in einem einzigen Durchfahrtsereignis. Daraus entsteht eine lückenlose Zuordnung, wer welche Palette wann durch welches Tor bewegt hat.
  • Basis für Verladekontrolle: Diese Verknüpfung ist die Grundlage für eine belastbare Verladekontrolle und für Nachweise gegenüber Kunden, etwa welche Palette auf welche Tour verladen wurde.

Vom Pilottor zum Rollout

Ein Scantor ist eine Investition auf Systemebene und sollte entsprechend eingeführt werden, nicht flächendeckend auf einmal, sondern schrittweise:

  • Pilottor am kritischsten Dock: Starten Sie an dem Tor, an dem heute die meisten Buchungen verloren gehen. Messen Sie dort Leserate und Prozessakzeptanz unter realen Bedingungen.
  • Skalierung auf alle Tore: Nach einem erfolgreichen Pilot lässt sich das Konzept ausrollen. Reale Projekte umfassen bis zu 19 Verladestationen (Projektwert aus Anwendungsdaten), eine Größenordnung, die nur mit einer standardisierten Tor-Konfiguration beherrschbar bleibt.
  • Standardisierung senkt Aufwand: Eine einheitliche Konfiguration je Tor senkt sowohl den Rollout- als auch den späteren Wartungsaufwand und macht die Anlage über Jahre wartbar.

Fazit

Ein Scantor behebt ein im Tagesgeschäft oft unsichtbares Problem, das später teuer wird: übersprungene Palettenbuchungen. Durch die automatische Erfassung aller relevanten Codes während der Durchfahrt des Staplers entfällt der manuelle Scan als Fehlerquelle. Für den Erfolg sind entscheidend, dass Etikettenpositionen beidseitig erfasst werden, Codes sauber gefiltert werden, ein realistischer Folien-Vortest durchgeführt wird und der Rollout stationsweise vom Pilottor bis zur letzten Verladestelle erfolgt. Werden zusätzlich Stapler-ID und Ladungs-ID verknüpft, ermöglicht dies eine lückenlose Rückverfolgung vom Wareneingang bis zur Verladung.

Häufige Fragen

F Wie erfasst ein Scantor Paletten ohne Anhalten?

A

Mehrere fest montierte, kamerabasierte Codeleser überwachen den Durchfahrtsbereich. In der dokumentierten Anwendung erfasst ein Scangate mit Codelesern der Modellreihe SR-5000 die Palettencodes automatisch beim Vorbeifahren mit Hubwagen oder Gabelstapler, ohne dass Fahrer absteigen oder anhalten müssen.

F Was passiert mit den vielen Codes auf einer Palette?

A

Eine Palette trägt im Portalbereich oft mehr Codes als die eine relevante Ladungs-ID, dazu Codes am Stapler selbst. Über eine Filterung nach Codeart oder Inhaltspräfix werden nur die gewünschten Codes verarbeitet, sodass Fremd- und Nebencodes nicht in die Buchung gelangen und keine Doppelbuchungen entstehen.

F Liest ein Scantor Etiketten unter Stretchfolie?

A

Reflektierende Verpackungsfolie stellt für kamerabasierte Codeleser grundsätzlich kein unüberwindbares Problem dar. Da NVE-/SSCC-Etiketten in der Praxis häufig unter ein bis zwei Wickellagen liegen, sollten Sie diese Bedingung im Vortest mit vollständig umwickelten Originalpaletten prüfen. Entscheidend sind nicht die Lagen selbst, sondern die Folienreflexionen, die als eigentliche Störquelle auftreten können.

F Wie hoch dürfen die Paletten sein?

A

Hier die überarbeitete Fassung, präziser und flüssig formuliert: In realen Projekten können Etiketten an beliebigen Positionen auf Paletten sitzen, die bis zu 3 m hoch und 1,2 bis 2,4 m breit sind. Je nach Ausführung unterstützt die Modellreihe SR‑5000 Leseabstände von bis zu 3.000 mm beziehungsweise 4.000 mm. Sichtfeldhöhe und Anzahl der Codeleser pro Seite werden auf die maximale Palettenhöhe ausgelegt.

F Lässt sich verfolgen, welcher Stapler eine Palette bewegt hat?

A

Da im selben Durchfahrtsereignis auch Fahrzeugcodes im Sichtfeld liegen, lassen sich Stapler‑ID und Ladungs‑ID eindeutig verknüpfen. Damit ist nachvollziehbar, wer welche Palette wann und durch welches Tor bewegt hat. Diese Information bildet die Grundlage für Verladekontrollen und Kunden­nachweise.

Weiterführende Artikel

Übergeordnete Themenseite: Automatisierung und Identifikation in Lager und Logistik: Der Überblick für Intralogistik-Verantwortliche

Hauptartikel zum Thema: MDE-Geräte für Lager und Logistik richtig auswählen: Reichweite, Robustheit, Schichtbetrieb

Weiterer Artikel im Thema: Vom Laserscanner zum bildbasierten Codeleser: Wann sich der Umstieg in der Fördertechnik lohnt

Weiterer Artikel im Thema: Scannen vom Stapler: Fest montierte Codeleser für die Identifikation in der Vorbeifahrt

Weiterer Artikel im Thema: Freihändig scannen am Kommissionierplatz: Stationäre Codeleser statt Handscanner