Kit, Bauteil-Blister und Faltschachtel vollständig: Dentalsets, Implantatboxen, Beipackzettel und Etikett vor dem Verschließen prüfen
Eine geschlossene Packung verrät nicht, was ihr fehlt. Ist ein Dentalset gesiegelt, eine Implantatbox verschlossen oder eine Faltschachtel geklebt, lässt sich ein fehlendes Teil nur noch finden, indem man die Packung wieder öffnet. Dieser Beitrag richtet sich an Verpackungsingenieure bei Herstellern von Dentalprodukten, Implantaten und Medizinkits und an die Maschinenbauer von Kartonierern, Etikettierern und Blisterstationen. Er geht die Stationen an dokumentierten Tests, Angeboten, Planungen und einer Preiseinigung vor der Bestellung durch. Keine der beschriebenen Prüfungen ist bereits in Betrieb.
Wichtige Punkte im Überblick
- Die Station unmittelbar vor dem Siegeln oder Schließen ist die einzige, an der ein Bild die ganze Packung zeigt, weil früher noch Teile fehlen, die erst später dazukommen, und danach nichts mehr zu sehen ist, ohne die Packung wieder zu öffnen.
- Bekannte Varianten und viele Produkttypen machen aus der Vollständigkeit keine Typprüfung, sondern bekommen je ein eigenes Prüfprogramm, das die Steuerung mit dem Auftrag wählt, sodass die Zahl der Typen bestimmt, wie viele Programme das Gerät halten muss: beim AI Vision-Sensor der Modellreihe IV4 sind es 32 intern und 128 nur mit microSD-Karte und aktivierter Programmerweiterung.
- Ob eine Spritze im Bauteil-Blister so weit aufsteht, dass sich der Blister nicht mehr richtig verpacken lässt, ist keine Höhenprüfung mit Toleranz, sondern die Frage, ob etwas über die Siegelebene hinausragt, und weil eine aufstehende Spritze von oben verkürzt und verschoben erscheint, vergleicht die Prüfung Bilder, statt zu messen.
- Soll am Packtisch neben der Vollständigkeit auch die Reihenfolge des Einlegens geprüft werden, ist eine zuunterst liegende Anleitung am Ende unter der Spritze verdeckt, weshalb die Prüfung mehrere Zustände nacheinander bewerten muss und nicht nur einen am Schluss.
- Etikett, Beipackzettel, Inhalt und Originalitätssiegel werden an dieser Station nur als Ja oder Nein geprüft, wie in drei der sechs Prüfungen eines Kartonierers mit vereinbartem Preis, während Charge, Verfallsdatum und Code beim Gegenlesen an der Kennzeichnung kontrolliert werden.
Die letzte Station vor dem Verschließen: warum dort über die Vollständigkeit entschieden wird
Vollständigkeit ist ein Abgleich zwischen dem, was eine Packung enthalten soll, und dem, was in ihr liegt. Dieser Abgleich gelingt nur, solange alles gleichzeitig sichtbar ist. Früher in der Linie fehlen noch Teile, die erst später dazukommen. Nach dem Siegeln oder Schließen ist nichts mehr zu sehen. Die Station unmittelbar davor ist deshalb die einzige, an der ein Bild die ganze Packung zeigt.
An dieser Station wiederholen sich in den Anfragen drei Bedingungen. Die Packung steht für einige Sekunden still. Es gibt mehrere Produkttypen, oft mit eigenem Inhalt. Und die Verpackung selbst ist transparent, weiß oder reflektierend und damit Teil des Bildproblems.
Für einzelne Merkmale an einer Station passt der AI Vision-Sensor der Modellreihe IV4. Sein Werkzeug AI Identify beginnt mit einem einzigen registrierten Bild, weiteres Anlernen unterscheidet Typen. Für Sets mit vielen Einzelteilen in einem Bild ist die All-in-One Kamera mit integrierter AI der Modellreihe VS die Klasse, die mehrere Werkzeuge in einem Programm kombiniert. Wo mehrere Stationen einer Maschine an einer Auswerteeinheit hängen sollen, kommt die High-Performance Bildverarbeitung mit integrierter AI der Modellreihe VS-G mit bis zu acht Kameras je Controller in Frage.
Dentalset und Implantatbox: alle Teile da, zwei Varianten, transparente Box
Ein Dentalset für Zahnarztpraxen soll vor dem Verschließen zeigen, dass alle Produkte an Bord sind. Das Set gibt es in zwei Varianten mit unterschiedlichem Sichtfeld, beide im Bereich weniger Zentimeter. Jedes Set steht rund fünf Sekunden still, geplant ist eine Farbkamera, und als nächste Schritte sind ein Labortest und ein Angebot vorgesehen.
Zwei bekannte Varianten machen daraus keine Typprüfung. Die Frage bleibt, ob alles da ist, sie wird nur zweimal gestellt, einmal je Variante. Am Vision-Sensor kann jede Variante ein eigenes Programm bekommen, das Gerät hält bis zu 32 Programme intern. Mit einer Farbkamera an der All-in-One Kamera lassen sich Produkte, die sich vor allem in der Farbe vom Untergrund abheben, getrennt bewerten. Fünf Sekunden Stillstand lassen für die Aufnahme reichlich Zeit. Knapper wird es bei der Frage, ob jedes Produkt auch bei leichtem Versatz in seiner Mulde sicher als vorhanden gilt.
Bei einem Implantathersteller liegen Implantatteile in einer transparenten Kunststoffbox, das Sichtfeld ist nur wenige Zentimeter breit. Ein Testbericht und ein Richtpreis liegen vor. Die Box erlaubt Durchlicht von hinten. Dann zeichnen sich die Teile als Schatten gegen einen hellen Grund ab, während die dünnen, transparenten Wände der Box wenig Kontrast erzeugen. Ob Kanten und Rippen der Box im Durchlicht trotzdem als Teile erscheinen, klärt der Test an echten Boxen.
Bauteil-Blister mit Spritzen und Deckeln: wenn ein überstehendes Teil das Siegeln verhindert
Ein Blister für Dentalmaterial trägt mehrere Deckel und mehrere Spritzen. Geprüft werden soll dreierlei: ob jeder Deckel da ist, ob jede Spritze an ihrem Platz liegt und ob eine Spritze so weit aufsteht, dass sich der Blister nicht mehr richtig verpacken lässt. Nach einem Termin vor Ort ist eine Lösung mit dem Kunden abgestimmt, das Angebot ist der nächste Schritt.
Die dritte Frage sieht aus wie eine Höhenprüfung, ist es aber nicht. Gefragt ist kein Wert mit Toleranz, sondern ob etwas über die Siegelebene hinausragt. Eine aufstehende Spritze sieht von oben anders aus als eine liegende, sie erscheint verkürzt und aus ihrem Platz verschoben. Die Prüfung vergleicht also Bilder, sie misst nicht.
Gemeint ist hier der Bauteil-Blister mit medizinischen Komponenten. Der Tablettenblister mit Napf und Deckfolie ist eine Aufgabe der Oberflächen- und Defektprüfung.
Viele Produkttypen an einer Blisterstation: Programme wählen statt umrüsten
An einer stationären Montagestation für medizinische Blister liegen graue Blister in weißer Verpackung, und es gibt mehr als zehn Produkttypen. Das Sichtfeld liegt bei mehreren Hundert Millimetern. Ein Angebot liegt vor.
Grau auf Weiß gibt wenig Kontrast, und jeder Produkttyp bringt eine andere Belegung mit. Statt die Station für jeden Typ neu einzustellen, bekommt jeder Typ sein eigenes Prüfprogramm, das die Steuerung mit dem Auftrag wählt. Die Zahl der Typen bestimmt damit, wie viele Programme das Gerät halten muss. Beim Vision-Sensor sind es 32 intern und 128 nur mit microSD-Karte und aktivierter Programmerweiterung. Bei der All-in-One Kamera trägt ein Programm mehrere Werkzeuge nebeneinander, etwa eine Farbprüfung neben einer Zählung. Wie sich graue Blister auf weißem Grund am stabilsten trennen lassen, bleibt eine Frage an die Beleuchtung im Test.
Am Packtisch: Spritze, Anleitung und Zubehör vollständig und in der richtigen Reihenfolge
An einem Packtisch legt ein Werker eine Spritze, eine Anleitung und weiteres Zubehör in die Packung. Geprüft werden sollen Vollständigkeit und Reihenfolge des Einlegens. Empfohlen sind unterschiedliche Programme mit automatischer Umschaltung; wichtig sind dem Anwender ein Passwortschutz, damit der Werker keine Einstellungen ändern kann, und eine Anbindung über OPC UA. Die Tests stehen noch aus.
Die Reihenfolge macht diese Aufgabe anders als die Prüfung einer fertig gefüllten Packung. Soll die Anleitung etwa zuunterst liegen, ist sie am Ende unter der Spritze verdeckt. Ob sie da ist, lässt sich dann nur noch zu dem Zeitpunkt sehen, an dem sie eingelegt wird. Die Prüfung muss deshalb mehrere Zustände nacheinander bewerten, nicht einen am Schluss. Wie die Station diese Zustände auslöst, ist an einem Handarbeitsplatz die erste Auslegungsfrage. Passwortschutz und OPC UA sind Anforderungen der Anfrage, die der Test bestätigen muss.
Etikett, Beipackzettel und Originalitätssiegel: vorhanden oder nicht, gelesen wird anderswo
Für einen Kartonierer mit sechs Prüfungen ist ein Preis vereinbart, gebunden an eine Bestellung bis zu einem festen Termin; installiert ist davon noch nichts. Drei der Prüfungen stellen reine Anwesenheitsfragen. Liegen Etikett und Beipackzettel im Karton? Enthält der Karton überhaupt Inhalt? Ist das Originalitätssiegel vorhanden? Jede davon endet mit Ja oder Nein.
Dieselbe Frage kehrt an mehreren Maschinen wieder. An einem Etikettierer für eine Pharmapackung sollen zwei Sensoren für die Etikettenanwesenheit mit Mustern getestet werden, bei Etikettenraten in der Größenordnung von hundert je Minute. Geplant ist eine Prüfung, ob Vorder- und Rückenetikett einer Faltschachtel für Pharmakartuschen auf zwei oder drei Seiten vorhanden sind, mit vier bis fünf Kameras an einer Maschine. Das ist eine Größenordnung, die eine Bildverarbeitung mit mehreren Kameras an einem Controller aufnehmen kann. An der Linie einer Medizinsparte ist die Etikettenanwesenheit nach dem Aufbringen angeboten. Für Handschuhverpackungen ist geplant, das Vorhandensein der Größenkennzeichnung zu prüfen.
Einen Sonderfall bildet eine Lasermarkierung auf einem Spritzgussrahmen, der Blutproben ausrichtet. Der Laser markiert entweder richtig oder gar nicht, deshalb genügt die Frage, ob die Markierung da ist. Gewünscht war ein einfacher AI-Vergleich; das Thema ruht derzeit. Für ein Etikett, das sich im Erscheinungsbild klar vom Untergrund abhebt, kann auch ein Vollspektrumsensor der Modellreihe LR-W das Ja oder Nein als einzelnes Signal liefern.
Was auf Etikett und Beipackzettel steht, prüft diese Station nicht. Charge, Verfallsdatum und Code werden beim Gegenlesen an der Kennzeichnung kontrolliert. Ob das richtige Teil im Kit liegt, ist eine Frage der Verwechslungssicherung. Bei Arzneimittelpackungen wird eine solche Station in der Regel in die GMP-Validierung der Linie einbezogen.
Häufige Fragen
F Warum wird ein Kit erst an der letzten Station vor dem Verschließen geprüft?
A
Weil nur dort alle Teile gleichzeitig sichtbar sind. Früher fehlen noch Teile, die erst später dazukommen, danach ist die Packung zu. Ein Fehler, der dort auffällt, kostet keine geöffnete Packung.
F Ist eine aufstehende Spritze im Blister eine Maßprüfung?
A
Nein, solange nur gefragt ist, ob etwas über die Siegelebene hinausragt. Eine aufstehende Spritze sieht im Bild von oben anders aus als eine liegende. Ein Höhenwert mit Toleranz wird dafür nicht gebraucht.
F Wie prüft man Implantatteile in einer transparenten Box?
A
Häufig mit Durchlicht von hinten, gegen das sich die Teile als Schatten abzeichnen. Die dünnen Wände der Box geben dabei wenig Kontrast. Ob Kanten und Rippen der Box stören, zeigt ein Test mit echten Boxen.
F Braucht jede Station eines Kartonierers eine eigene Auswerteeinheit?
A
Nicht zwingend. Die Bildverarbeitung der Modellreihe VS-G führt bis zu acht Kameras an einem Controller zusammen. Für einzelne Merkmale an einer einzelnen Station genügt oft ein Vision-Sensor.
F Prüft die Etikettenkontrolle vor dem Verschließen auch den Inhalt des Etiketts?
A
Nein. An dieser Station geht es nur darum, ob Etikett, Beipackzettel oder Markierung vorhanden sind. Charge, Datum und Code werden an der Kennzeichnungsstation gegengelesen.
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