Waferdicke, TTV und Ebenheit berührungslos messen: konfokale und Laser-Wegmesstechnik

Wafer sind teuer, dünn und empfindlich, und ihre Dicke entscheidet über die Ausbeute der gesamten nachgelagerten Prozesskette. Silizium und Siliziumkarbid Wafer haben in dokumentierten Anwendungen typischerweise Dicken zwischen etwa 150 µm und einem Millimeter und Durchmesser bis 300 mm. Gefordert werden nicht nur die Dicke selbst, sondern auch die Gleichmäßigkeit über die Fläche, die sogenannte Total Thickness Variation TTV, sowie Ebenheit und Verzug. Schon geringe Antastkräfte können einen Wafer beschädigen, jeder Ausschuss bedeutet einen unmittelbaren Materialverlust auf hohem Wertniveau.

Dieser Beitrag richtet sich an Mess und Prozessverantwortliche bei Wafer und Substratherstellern, in Halbleiterfertigungen und in Reinraum Messlaboren, die Dicke, TTV und Ebenheit zuverlässig und berührungslos erfassen müssen. Er zeigt, wo taktile Lehren und AFM oder SEM an ihre Grenzen stoßen, wie ein konfokaler Doppelkopfaufbau die echte Dicke als Differenzmessung liefert, wie sich TTV und Ebenheit mit Mehrpunktmustern auswerten lassen und worauf es bei der Sensorwahl, beim Reinraum und bei der Nachrüstung ankommt.

Wichtige Punkte im Überblick

  • Wafer sind teuer und empfindlich, taktile Antastung kann sie beschädigen, und AFM oder SEM erfassen nur einen winzigen Ausschnitt statt Dicke, TTV und Ebenheit über die ganze Fläche.
  • Echte Dickenmessung entsteht erst durch zwei gegenüberliegende Sensoren, die von oben und unten auf dieselbe Stelle messen und die Dicke als Differenz unabhängig von der Lage des frei liegenden Wafers bestimmen.
  • Aus einem Mehrpunktmuster über die Waferfläche ergeben sich die mittlere Dicke, die TTV als Spannweite zwischen größter und kleinster Dicke sowie Ebenheit und Verzug.
  • Konfokale Wegmesssensoren der Modellreihe CL-3000 erreichen höchste Genauigkeit und messen stabil auf spiegelnden und transparenten Oberflächen, während die Laser-Wegmesstechnik bei großen Arbeitsabständen und der Positionskontrolle punktet.
  • Weil berührungslose Sensorik keinen Abrieb erzeugt und ohne Antastmechanik auskommt, ist sie reinraumtauglich und lässt sich auch bei großem Arbeitsabstand in Bestandsanlagen nachrüsten.

Warum taktile Dickenmessung und AFM/SEM an Wafern an Grenzen stoßen

Die etablierten Verfahren decken die Aufgabe nur teilweise ab, jedes aus einem anderen Grund.

Taktile Dickenlehren legen den Wafer auf eine Referenzfläche (häufig einen Messstein) und tasten von oben an. Das birgt drei Probleme: Die Antastung kann empfindliche, dünne Wafer beschädigen; die Auflage auf der Referenzfläche erfasst nur die Gesamtlage, nicht die reine Dicke unabhängig vom Durchhang; und die mechanischen Systeme sind wartungsintensiv und langsam, wenn viele Punkte über die Fläche gefordert sind.

AFM (Rasterkraftmikroskopie) und SEM/REM (Elektronenmikroskopie) liefern hervorragende laterale Auflösung, aber nur auf einem winzigen Ausschnitt. Für die Dicke, TTV und Ebenheit eines ganzen Wafers sind sie ungeeignet: Der Messbereich ist zu klein, die Messung zu langsam, und das Vakuum im SEM kann bestimmte Proben verändern oder zerstören. Beide Verfahren sind Werkzeuge der lokalen Struktur- und Defektanalyse, nicht der flächigen Maßhaltigkeitsprüfung.

Stylus-Profilometer und Konturografen schließlich arbeiten wieder taktil und liefern nur Linien, keine flächige Aussage über den Wafer.

Für die eigentliche Frage (wie dick ist der Wafer an mehreren Stellen, wie gleichmäßig, wie eben) braucht es ein berührungsloses Verfahren, das echte Dicke misst und über die Fläche skaliert.

Doppelkopf-Prinzip: echte Dicke und TTV als Differenzmessung

Ein einzelner Abstandssensor misst keine Dicke, sondern nur einen Abstand zur Oberfläche. Bewegt sich der Wafer im Handling oder hängt er in der Halterung durch, ändert sich dieser Abstand, ohne dass sich die Dicke geändert hätte. Echte Dickenmessung entsteht erst durch die gegenüberliegende Doppelkopf-Anordnung.

Dabei messen zwei konfokale Sensoren von oben und unten auf dieselbe Stelle des Wafers. Die Dicke ergibt sich als Differenz aus dem kalibrierten Abstand der beiden Köpfe und den beiden Einzelmesswerten. Der entscheidende Vorteil: Das Ergebnis ist unabhängig von der Lage des Wafers zwischen den Köpfen. Der Wafer darf innerhalb des Messbereichs frei liegen, ohne aufliegen oder eingespannt zu werden. Damit entfällt die Beschädigungsgefahr der taktilen Auflage vollständig.

Für die Auslegung heißt das:

  • Die beiden Köpfe müssen exakt fluchtend und mechanisch steif montiert sein, damit der Kopfabstand im Betrieb konstant bleibt.
  • Kalibriert wird gegen ein Referenznormal bekannter Dicke.
  • Ein zyklischer Abgleich fängt thermische Drift der Mechanik ab und gehört von Anfang an in die Ablaufplanung, nicht in eine spätere Nachrüstliste.

Mehrpunktmuster: Mittelwert, TTV und Ebenheit über die Waferfläche

Ein einzelner Messpunkt sagt wenig über einen Wafer aus. In dokumentierten Anwendungen wird an definierten Positionen gemessen, etwa im Zentrum und an mehreren Punkten auf einem oder mehreren Radien, häufig in 90°-Teilung. Aus diesen Punkten leiten sich die relevanten Kennwerte ab:

  • Mittlere Dicke als Mittelwert über alle Messpunkte,
  • TTV (Total Thickness Variation) als Differenz zwischen größter und kleinster gemessener Dicke,
  • Ebenheit und Verzug aus der Lage der Messpunkte zueinander.

Realisiert wird das Mehrpunktmuster entweder durch Verfahren des Wafers unter dem feststehenden Doppelkopf oder (wo die Fläche vollständig erfasst werden soll) durch mehrere Kopfpaare beziehungsweise einen traversierenden Aufbau. Welche Punktdichte nötig ist, richtet sich danach, welche Abweichungen erkannt werden sollen: Ein Dickenkeil zeigt sich schon an wenigen Punkten, eine lokale Verwölbung erst bei feinerem Raster.

Sensorwahl: konfokal (CL-3000) für höchste Genauigkeit, Laser (LK-G5000) für große Abstände

Zwei Sensorprinzipien decken das Wafer-Aufgabenfeld ab, mit unterschiedlichen Stärken.

Konfokale Wegmesssensoren der Modellreihe CL-3000 sind die erste Wahl, wenn höchste Genauigkeit gefordert ist. Das konfokale Prinzip misst koaxial und erreicht je nach Messkopf eine Linearität im Submikrometerbereich. Es kommt zudem mit spiegelnden und transparenten Oberflächen zurecht, eine wichtige Eigenschaft bei polierten Wafern und transparenten Schichten, an denen Triangulationsverfahren Streulichtprobleme bekommen. Im gegenüberliegenden Doppelkopf-Aufbau ist die Modellreihe CL-3000 damit das Kernwerkzeug für Dicke und TTV; für unterschiedliche Einbausituationen stehen Messköpfe mit verschiedenen Messbereichen und Arbeitsabständen zur Verfügung.

Laser-Wegmesssensoren der Modellreihe LK-G5000 spielen ihre Stärke dort aus, wo große Arbeitsabstände, hohe Messgeschwindigkeit oder die Positionierung im Handling im Vordergrund stehen. In dokumentierten Nachrüstungen wurden Aufbauten mit sehr großem Abstand zwischen Sensor und Wafer realisiert, um in bestehende Anlagen zu passen. Für die reine Positionskontrolle (etwa um zu prüfen, ob ein Wafer korrekt liegt, bevor ein Handling-Schritt Schaden anrichtet) ist die Lasermesstechnik häufig schnell und robust genug.

Wo Kontakt ausnahmsweise zulässig ist (etwa bei robusten Rohwafern oder Blanks), können digitale Messtaster der Modellreihe GT2 eine hochpräzise Dickenreferenz liefern. Steht die flächige Struktur oder der Verzug im Vordergrund, ergänzen areale Verfahren wie das 3D-Profilometer der Modellreihe VR-6000 oder 3D Laser-Snapshot-Sensoren der Modellreihe LJ-S8000 das Konzept; die flächige Verzugsmessung vertieft der Schwesterbeitrag „Ebenheit und Verzug von Leiterplatten und Baugruppen: flächige 3D-Messung statt Punktmessung".

Reinraum, große Arbeitsabstände und Nachrüstung von Bestandsanlagen

Wafermesstechnik läuft selten auf der grünen Wiese. Drei Randbedingungen prägen fast jedes dokumentierte Projekt:

  • Reinraum: Die Sensorik muss reinraumtauglich integriert werden, ohne Partikel zu erzeugen. Berührungslose Verfahren haben hier den prinzipiellen Vorteil, dass kein Abrieb durch Antastung entsteht.
  • Große Arbeitsabstände: Handling-Mechanik, Kassetten und Schutzeinrichtungen zwingen die Sensoren oft weit weg vom Wafer. Sensorköpfe mit großem Arbeitsabstand und die Laser-Wegmesstechnik der Modellreihe LK-G5000 sind hier entscheidend, um überhaupt eine Einbausituation zu finden.
  • Nachrüstung: Häufig soll die Messung in eine bestehende Anlage integriert werden. Dann gibt der vorhandene Bauraum den Sensorabstand und die Kopfgeometrie vor, nicht umgekehrt. Der berührungslose Aufbau erleichtert die Nachrüstung, weil er ohne Auflage- und Antastmechanik auskommt.

Anforderungen und Machbarkeit: Genauigkeit, spiegelnde und transparente Oberflächen am Muster prüfen

Vier Angaben entscheiden über die Auslegung und gehören früh in die Spezifikation:

  • Geforderte Genauigkeit: Welche Dicken-, TTV- und Ebenheitstoleranz gilt? Als Orientierung sollte die Messgenauigkeit deutlich feiner sein als die Toleranz. Für Dickenmessungen im Submikrometerbereich ist die konfokale Doppelkopf-Messung in dokumentierten Anwendungen der übliche Weg.
  • Messpunktmuster und Fläche: Genügen wenige Punkte für Mittelwert und TTV, oder ist eine flächige Ebenheitsaussage über den ganzen Wafer gefordert? Daraus folgt die Zahl der Kopfpaare beziehungsweise die Verfahrstrategie.
  • Oberfläche: Poliert, strukturiert, beschichtet, transparent? Spiegelnde und transparente Oberflächen sind der klassische Prüfpunkt. Hier zeigt sich, ob das gewählte Prinzip stabil misst.
  • Bauraum und Umgebung: Arbeitsabstand, Reinraumklasse, Temperatur und Vibration bestimmen Kopfwahl und Aufbau.

Und der wichtigste Grundsatz: Genau weil die Oberflächen anspruchsvoll und die Anforderungen scharf sind, wird die Machbarkeit vor der Vergabe am Originalmuster belegt. Spiegelnde, transparente und dünne Wafer werden im Applikationslabor oder vor Ort gemessen, bevor spezifiziert wird, nicht auf Basis einer Annahme im Lastenheft. So wird aus der Anforderung „Waferdicke, TTV und Ebenheit prüfen" ein kalkulierbares, berührungsloses Messkonzept.

Häufige Fragen

F Wie misst man die Dicke eines Wafers berührungslos?

A

Zwei gegenüberliegende konfokale Wegmesssensoren (in dokumentierten Anwendungen aus der Modellreihe CL-3000) messen von oben und unten auf dieselbe Stelle des Wafers. Die Dicke ergibt sich als Differenz aus dem kalibrierten Kopfabstand und den beiden Einzelmesswerten und ist damit unabhängig von der Lage des Wafers zwischen den Köpfen. Der Wafer muss weder aufliegen noch eingespannt werden, wodurch die Beschädigungsgefahr der taktilen Auflage entfällt.

F Was ist TTV und wie wird sie gemessen?

A

TTV (Total Thickness Variation) ist die Differenz zwischen der größten und der kleinsten gemessenen Dicke eines Wafers und beschreibt damit die Gleichmäßigkeit der Dicke über die Fläche. Gemessen wird sie, indem an mehreren definierten Positionen (etwa im Zentrum und auf Radien in 90°-Teilung) die Dicke berührungslos erfasst und aus diesen Werten die Spannweite berechnet wird.

F Warum eignen sich AFM und SEM nicht für die Waferdickenmessung?

A

AFM und SEM/REM liefern exzellente laterale Auflösung, aber nur auf einem sehr kleinen Ausschnitt und langsam; das SEM-Vakuum kann bestimmte Proben zudem verändern. Für Dicke, TTV und Ebenheit eines ganzen Wafers sind sie daher ungeeignet. Dies sind Aufgaben für berührungslose Wegmesstechnik über die Fläche, während AFM/SEM Werkzeuge der lokalen Struktur- und Defektanalyse bleiben.

F Konfokal oder Laser: welches Prinzip für welche Aufgabe?

A

Konfokale Wegmesssensoren der Modellreihe CL-3000 erreichen je nach Messkopf eine Linearität im Submikrometerbereich und messen stabil auf spiegelnden und transparenten Oberflächen, ideal für Dicke und TTV. Laser-Wegmesssensoren der Modellreihe LK-G5000 sind stark bei großen Arbeitsabständen, hoher Geschwindigkeit und der Positionskontrolle im Handling. Häufig werden beide Prinzipien je nach Messstelle kombiniert.

F Funktioniert die Messung auf spiegelnden und transparenten Wafern?

A

Das konfokale Prinzip misst koaxial und kommt dadurch mit spiegelnden und transparenten Oberflächen deutlich besser zurecht als Triangulationsverfahren, die dort Streulichtprobleme bekommen. Weil das Verhalten aber vom konkreten Material, der Beschichtung und der Schichtdicke abhängt, wird die Machbarkeit an spiegelnden und transparenten Wafern grundsätzlich vorab am Originalmuster verifiziert.

F Lässt sich die Messung in eine bestehende Reinraumanlage nachrüsten?

A

Ja. Berührungslose Sensorik kommt ohne Auflage- und Antastmechanik aus, erzeugt keinen Abrieb und ist damit reinraumfreundlich. Sensorköpfe mit großem Arbeitsabstand sowie die Laser-Wegmesstechnik der Modellreihe LK-G5000 ermöglichen es, auch bei beengtem Bauraum oder großem Abstand zwischen Sensor und Wafer eine Einbausituation zu finden. Der vorhandene Bauraum sollte dabei früh aufgenommen werden, da er Kopfwahl und Geometrie vorgibt.

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