Ebenheit und Verzug von Leiterplatten und Baugruppen: flächige 3D-Messung statt Punktmessung

Verzug gehört zu den teuersten Fehlern in der Elektronikfertigung und gehört zugleich zu den am schwersten prüfbaren. Eine verzogene Leiterplatte lässt sich nicht sauber bestücken, ein nicht ebenes Leistungsmodul überträgt Wärme schlecht, und eine schiefstehende Paste oder ein verkipptes Pad führt zu unzuverlässigen Verbindungen. Das Schwierige daran ist, dass Verzug und Schiefstellung flächige Phänomene sind. Sie zeigen sich nicht an einem einzelnen Punkt, sondern in der Form der gesamten Fläche, und genau das können die meisten herkömmlichen Messmittel nicht abbilden.

Dieser Beitrag richtet sich an Qualitäts und Fertigungsverantwortliche in der Leiterplatten, Baugruppen und Leistungselektronikfertigung, die Ebenheit, Verzug, Parallelität und Stufenhöhe an Boards und Modulen prüfen müssen. Er erklärt, warum Punkt und Linienmessung dafür nicht ausreichen, wie ein 3D Profilometer die ganze Fläche in Sekunden erfasst, wie Referenzebene und Auswertung definiert werden und wo inline fähige Profilsensorik die passende Ergänzung darstellt.

Wichtige Punkte im Überblick

  • Verzug und Schiefstellung sind flächige Phänomene, die sich nicht an einem einzelnen Punkt zeigen und mit den vorhandenen Messmitteln oft gar nicht geprüft werden können.
  • Digitale Messtaster, einzelne Wegmesssensoren und linienbasierte Profilmessung rekonstruieren eine ganze Fläche nur unvollständig, sodass die tatsächliche Wölbungsspitze leicht verfehlt wird.
  • Das 3D-Profilometer der Modellreihe VR-6000 erfasst die komplette Fläche berührungslos in Sekunden und leitet daraus Ebenheit, Parallelität, Verzug, Stufenhöhe und Volumen ab.
  • Jede Verzugsaussage steht und fällt mit der Bezugsebene: Das Teil darf im Messmittel nicht flachgedrückt oder verspannt werden, sonst misst man die Fixierung statt des Verzugs.
  • Der Business Case entsteht, indem die dokumentierten Reklamations- und Ausschusskosten der Vergangenheit den Kosten des Messsystems gegenübergestellt werden.

Das Problem: Verzug und Schiefstellung, die heute gar nicht geprüft werden

In dokumentierten Anwendungen ist der Auslöser häufig eine Reklamation, und die Erkenntnis, dass das reklamierte Merkmal mit den vorhandenen Mitteln überhaupt nicht messbar ist. Typische Fälle:

  • Verzug (Verwölbung) von Leiterplatten, der erst bei der Bestückung oder Montage auffällt, weil die Platine nicht plan aufliegt.
  • Planarität von Leistungsmodulen (Kupfer-Kühlkörper mit Leistungshalbleitern und Paste), deren Ebenheit über die thermische Anbindung entscheidet.
  • Schiefstellung (Verkippung) von Pads, Paste oder Bauteilen nach dem Bestücken, die die spätere Verbindung gefährdet.
  • Stufenhöhen und Volumen an Kontaktstreifen, Membranen und kleinen Elektronikteilen.

Allen gemeinsam ist: Der Kunde fordert einen Nachweis, aber die Fertigung hat kein Werkzeug, um die Deformation zu quantifizieren und zu dokumentieren. Häufig lautet der Befund schlicht „wird heute gar nicht geprüft".

Warum Punkt- und Linienmessung für Ebenheit und Verzug nicht ausreichen

Der Grund liegt in der Natur der Merkmale. Ebenheit, Verzug und Parallelität sind Aussagen über eine ganze Fläche, über die Abweichung vieler Punkte von einer Bezugsebene. Ein Messmittel, das nur einzelne Punkte oder Linien erfasst, kann eine solche Fläche nur unvollständig rekonstruieren:

  • Digitale Messtaster und einzelne Wegmesssensoren liefern präzise Einzelpunkte. Für Verzug müsste man aber ein dichtes Raster von Hand abfahren, langsam und lückenhaft, und die tatsächliche Wölbungsspitze wird leicht verfehlt.
  • Linienbasierte Profilmessung erfasst einen Schnitt. Ein einzelner Schnitt sagt aber nichts über die Wölbung quer dazu; erst viele Schnitte ergeben ein Bild.
  • Koordinatenmessgeräte können Punkte antasten, sind aber langsam und liefern kein flächiges Höhenbild.
  • Digitalmikroskope ohne automatische Flächenmessung zeigen die Oberfläche, quantifizieren aber die Ebenheit über die ganze Baugruppe nicht automatisch.

Für Verzug, Ebenheit und Parallelität braucht es deshalb ein Verfahren, das die komplette Fläche als Höhenbild erfasst und daraus Ebenheit, Stufenhöhe und Volumen berechnet.

3D-Profilometer (VR-6000): Ebenheit, Parallelität, Stufenhöhe und Volumen erfassen

Das 3D-Profilometer der Modellreihe VR-6000 erfasst die komplette Oberfläche eines Teils in einer Aufnahme, berührungslos, flächig und in Sekunden. Statt Punkte anzufahren, wird das Teil aufgelegt und die gesamte sichtbare Fläche als 3D-Höhenbild aufgenommen. Aus diesem Höhenbild leitet die Software genau die Kennwerte ab, die bei Verzug und Planarität gefragt sind:

  • Ebenheit als Abweichung der Fläche von einer Bezugsebene,
  • Parallelität zwischen zwei Flächen,
  • Verzug und Durchbiegung über die gesamte Board- oder Modulfläche,
  • Stufenhöhe zwischen Ebenen,
  • Volumen von Aufbauten, Paste oder Verguss.

Die Vorteile in der Praxis: Die Messung ist berührungslos (also unkritisch für empfindliche bestückte Boards), sie ist schnell genug für Labor- und Wareneingangsprüfung, und sie ist reproduzierbar, weil das System die Fläche selbst auswertet statt eines Prüfers. In dokumentierten Anwendungen liegen die geforderten Höhentoleranzen häufig im Bereich von 50 bis 200 µm bei einer geforderten Genauigkeit um 10 µm; die Messzeit reicht je nach Fläche von wenigen Sekunden bis zu etwa einer Minute pro Teil.

Referenzebene und Auswertung: Fixierung, Bezugsfläche, Report

Jede Verzugs- und Ebenheitsaussage ist nur so gut wie ihre Bezugsebene. Was ist „eben", woran wird der Verzug gemessen? Diese Definition ist der häufigste Integrationspunkt in dokumentierten Projekten und sollte früh geklärt werden:

  • Fixierung: Eine verzogene Leiterplatte darf im Messmittel nicht zusätzlich verspannt oder flachgedrückt werden, sonst misst man die Fixierung statt des Verzugs. Häufig wird definiert aufgelegt, teils mit einer Aufnahme bekannter, zertifizierter Ebenheit.
  • Bezugsfläche: Die Referenzebene wird rechnerisch aus der Messung abgeleitet, etwa als Ausgleichsebene durch drei definierte Punkte oder durch die gesamte Fläche. Welche Definition gilt, hängt von der Zeichnung und der Funktion des Teils ab.
  • Report: Die Auswertung wird als Messprotokoll und Falschfarben-Höhenkarte ausgegeben und lässt sich nach Excel exportieren. Gerade bei Reklamationen ist diese visuelle, belegbare Dokumentation der eigentliche Wert: Sie macht den Verzug für Kunde und Lieferant sichtbar und verhandelbar.

Für punktuelle Dicken- oder Stufenmaße an einer definierten Stelle können konfokale Wegmesssensoren der Modellreihe CL-3000 die flächige Messung ergänzen; ihre Stärke bei Dicke und TTV vertieft der Schwesterbeitrag „Waferdicke, TTV und Ebenheit berührungslos messen: konfokale und Laser-Wegmesstechnik".

Inline und fixiert: Laser-Profilsensorik (LJ-S8000/LJ-X8000) für Höhen und Planarität an der Anlage

Nicht jede Ebenheits- und Planaritätsprüfung gehört ins Labor. Wo direkt an der Anlage oder in einer fixierten Prüfstation gemessen wird, ist Laser-Profilsensorik die richtige Wahl:

  • 3D Laser-Snapshot-Sensoren der Modellreihe LJ-S8000 nehmen ein flächiges Höhenbild in einer Aufnahme auf, ohne externe Verfahrachse und ohne Aktorik. Das ist ideal für fixierte Prüfplätze und die Nachrüstung von Anlagen mit engem Bauraum, etwa um die Planarität und Schiefstellung einer Paste oder eines Pads direkt nach dem Auftragen zu prüfen.
  • Scannende 2D/3D Laser-Profilsensoren der Modellreihe LJ-X8000 erzeugen ein 3D-Bild über eine Relativbewegung. Sie sind die richtige Wahl, wenn das Bauteil ohnehin bewegt wird oder wenn große beziehungsweise langgestreckte Baugruppen zeilenweise erfasst werden sollen.

Die Faustregel aus der Projektpraxis: Steht das Bauteil still und passt die zu prüfende Fläche in das Sichtfeld, ist der Laser-Snapshot-Sensor der schlankere Integrationspfad; wird das Bauteil bewegt oder ist es größer als das Sichtfeld, spricht das für die scannende Lösung. Dieselbe Sensorlogik nutzt der übergeordnete Beitrag „Koplanaritäts- und Pinprüfung von Steckern und SMD-Bauteilen", nur auf Pins statt auf Flächen angewendet; so bleibt das Messkonzept über die Aufgaben hinweg konsistent.

Der Business Case: Reklamationen und Ausschuss gegen die Investition rechnen

Für ein Prüfsystem, das bislang nicht erfasste Merkmale misst, ist der wirtschaftliche Nachweis besonders wichtig, da zuvor keine Messung existierte. Die Rechnung hat zwei Seiten.

Auf der Nutzenseite steht der Wert vermiedener Reklamationen und Ausschusskosten. Verzug, der erst beim Kunden auffällt, verursacht Reklamationskosten, Sortieraufwand, Rückrufe und einen schwer quantifizierbaren Vertrauensverlust. Eine flächige Ebenheitsmessung fängt solche Fälle bereits im eigenen Haus ab, dokumentiert die Freigabe und liefert bei Streitfällen den objektiven Nachweis. Zusätzlich spart die Fertigung Kosten, weil verzogene Leiterplatten vor dem Bestücken aussortiert werden und teure Nacharbeit oder Ausschuss vermieden wird.

Auf der Kostenseite steht die Investition in das Messsystem. Ein belastbarer Business Case entsteht, indem die dokumentierten Reklamations- und Ausschusskosten der Vergangenheit den Systemkosten gegenübergestellt werden, nicht auf Basis von Schätzungen, sondern mit Zahlen aus dem eigenen Qualitätswesen. Wie bei allen Messaufgaben in diesem Umfeld gilt: Klären Sie vorher die Machbarkeit an Ihren Originalteilen. Verzogene Gutund Schlechtmuster werden im Applikationslabor oder vor Ort gemessen, die Referenzebene wird definiert und die Auswertung abgestimmt; erst danach werden Spezifikation und Investition festgelegt.

Häufige Fragen

F Warum reicht eine Punktmessung für Verzug und Ebenheit nicht aus?

A

Verzug, Ebenheit und Parallelität sind flächige Merkmale: Sie beschreiben die Abweichung vieler Punkte von einer Bezugsebene. Einzelne Punkte oder Linien rekonstruieren diese Fläche nur unvollständig, sodass die eigentliche Wölbungsspitze leicht verfehlt wird. Erst ein flächiges Höhenbild, wie es ein 3D-Profilometer liefert, erfasst die komplette Deformation und erlaubt eine belastbare Ebenheits- und Verzugsaussage.

F Was misst ein 3D-Profilometer an einer Leiterplatte?

A

Ein 3D-Profilometer der Modellreihe VR-6000 erfasst die gesamte Oberfläche als Höhenbild und leitet daraus Ebenheit, Parallelität, Verzug, Durchbiegung, Stufenhöhe und Volumen ab. Die Messung ist berührungslos und dauert je nach Fläche wenige Sekunden bis etwa eine Minute. Damit lassen sich verzogene oder schiefstehende Boards und Module quantifizieren und als Report dokumentieren.

F Wie verhindere ich, dass die Fixierung den Verzug verfälscht?

A

Eine verzogene Leiterplatte darf im Messmittel nicht flachgedrückt oder verspannt werden, sonst misst man die Fixierung statt der tatsächlichen Deformation. In dokumentierten Anwendungen wird das Teil definiert und möglichst spannungsfrei aufgelegt, teils auf einer Aufnahme mit zertifizierter Ebenheit. Die Definition der Fixierung und der Bezugsebene gehört früh in die Abstimmung.

F Ist die 3D-Messung für die Linie oder für das Labor gedacht?

A

Beides ist möglich, aber mit unterschiedlichen Werkzeugen. Das 3D-Profilometer der Modellreihe VR-6000 ist auf Labor, Erststück- und Wareneingangsprüfung ausgelegt, wo Flexibilität und Dokumentation zählen. Für Inline- oder fixierte Prüfplätze an der Anlage eignen sich Laser-Profilsensoren: 3D Laser-Snapshot-Sensoren der Modellreihe LJ-S8000 ohne Verfahrachse oder scannende 2D/3D Laser-Profilsensoren der Modellreihe LJ-X8000, wenn das Teil bewegt wird.

F Welche Höhentoleranzen und Genauigkeiten sind typisch?

A

In dokumentierten Anwendungen liegen die geforderten Höhentoleranzen für Ebenheit und Verzug häufig im Bereich von 50 bis 200 µm, bei einer geforderten Messgenauigkeit um 10 µm. Die konkreten Werte hängen vom Bauteil und von der Funktion ab und werden im Machbarkeitstest an Ihren Originalteilen verifiziert.

F Wie belege ich den wirtschaftlichen Nutzen, wenn bisher gar nicht geprüft wurde?

A

Der Business Case entsteht, indem die dokumentierten Reklamations- und Ausschusskosten der Vergangenheit den Kosten des Messsystems gegenübergestellt werden. Verzug, der heute erst beim Kunden auffällt, verursacht Reklamations-, Sortier- und Rückrufkosten; eine flächige Messung fängt diese Fälle im Haus ab und aussortiert verzogene Boards vor der teuren Bestückung. Die Zahlen dafür liefert in der Regel das eigene Q-System.

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