Automatisierung und Qualitätssicherung in der Metallverarbeitung: Der Überblick für QS- und Fertigungsleiter

Wer die Qualität oder die Fertigung in einem metallverarbeitenden Betrieb verantwortet, kennt die immer gleichen Engpässe. Die Maßprüfung läuft über ein einziges Koordinatenmessgerät im Messraum, bedient von genau einer Person, während die Fertigung wartet. Auf einer Linie laufen Dutzende Blechvarianten, die sich nur in einem Loch oder einer Fase unterscheiden, und die nächste Reklamation wegen vermischter Teile ist eine Frage der Zeit. Endkunden fordern Rückverfolgbarkeit mit dauerhaft lesbaren Codes, die Härten, Strahlen und Beschichten überstehen müssen. Die Teile selbst sind ölig, glänzend, zunderbehaftet oder heiß. Und über allem steht der Fachkräftemangel: Der erfahrene Messtechniker geht in Rente, die Sichtprüfung und die Beladung im Dreischichtbetrieb lassen sich nicht mehr besetzen.

Diese Seite ordnet die Technologien, mit denen sich diese Engpässe auflösen lassen, von der optischen Messtechnik über Lasermarkierung und Defektprüfung bis zu Roboterführung und Variantenerkennung. Jeder Abschnitt verweist auf einen vertiefenden Fachbeitrag mit konkreten Auslegungskriterien aus realen Anwendungen in Blechverarbeitung, Zerspanung, Gießerei, Schmiede und Härterei.

Wichtige Punkte im Überblick

  • QS- und Fertigungsleiter in der Metallverarbeitung kennen dieselben Engpässe: das ausgelastete Koordinatenmessgerät im Messraum, Variantenverwechslung auf gemeinsamen Linien, geforderte Rückverfolgbarkeit, ölige und glänzende Oberflächen und der Fachkräftemangel.
  • Sechs Technologiefelder lösen diese Engpässe auf: optische Messtechnik, Lasermarkierung mit Rückverfolgbarkeit, Oberflächen- und Defektprüfung, Lageerkennung, Roboterführung und Variantenunterscheidung, jeweils mit einem vertiefenden Fachbeitrag.
  • Das Kernproblem der Prüfung ist die glänzende, oft gewölbte Metalloberfläche: Gegen Pseudoausschuss wirken angepasste Beleuchtung, 3D-Höhendaten und AI-gestützte Fehlerklassifizierung.
  • Optische Messtechnik verlagert die schnellen, häufigen Prüfungen werkerunabhängig in die Fertigung, während das taktile Koordinatenmessgerät seine Rolle für engste Toleranzen und Erstbemusterungen behält.
  • Der wirkungsvollste Startpunkt ist ein Pilot an der Stelle, an der heute messbar Zeit oder Qualität verloren geht, abgesichert durch einen Machbarkeitstest mit öligen Originalteilen im Realzustand über alle Varianten hinweg.

Maßprüfung und Inline-Messung: der Weg aus dem Messraum-Stau

Das Grundproblem der Maßprüfung ist selten das Messgerät, sondern die Organisation darum herum: eine Maschine, ein Experte, wachsende Stückzahlen. Ein Werkstück mit vielen Antastpunkten bindet das taktile Koordinatenmessgerät schnell 10 bis 30 Minuten, und Handmessmittel liefern anwenderabhängige Ergebnisse ohne Dokumentation.

Optische Messtechnik verlagert die schnellen, häufigen Prüfungen in die Fertigung. Ein digitaler Messprojektor der Modellreihe IM-X erfasst Dreh- und Frästeile im Durchlicht per Knopfdruck und misst Dutzende Merkmale in Sekunden, werkerunabhängig und mit automatischem Messbericht. Für große Teile bis etwa 2 m tastet ein 3D-Fertigungsmesssystem der Modellreihe XM die Merkmale direkt an der Werkzeugmaschine an, bevor die Aufspannung verloren geht. Für Freiformflächen, CAD-Abgleich und Reverse Engineering ergänzt ein 3D-Scanner der Modellreihe VL das vorhandene KMG, statt mit ihm zu konkurrieren. Das taktile Messgerät behält seine Rolle für engste Toleranzen und Erstbemusterungen; alles andere darf schneller und näher an der Maschine gemessen werden.

Welche Teilespektren infrage kommen, welche Toleranzfragen den Ausschlag geben und wie die Systemwahl begründet wird, beschreibt der Leitfaden zur optischen Messtechnik in der Zerspanung.

Kennzeichnung und Rückverfolgbarkeit: Codes, die die Prozesskette überstehen

Fordert ein Endkunde Rückverfolgbarkeit, erhält jedes Bauteil einen Data-Matrix-Code mit Klarschrift. Auf Metall ist das anspruchsvoller als auf Kunststoff, denn der Code muss überstehen, was nach dem Markieren kommt: Härten mit starkem Nachdunkeln, Kugelstrahlen, KTL, Pulverbeschichtung mit Einbrennen, Waschen und öliges Handling.

Zwei Markierstrategien haben sich bewährt. Die Tiefengravur schreibt den Code mit dokumentierten Tiefen von etwa 0,04 bis 0,15 mm als Vertiefung ins Bauteil und übersteht damit mechanischen Abtrag. Die Anlassbeschriftung erzeugt auf Stahl und Edelstahl eine kontrastreiche, korrosionsbeständige Oxidschicht ohne Materialabtrag. Beide Verfahren deckt ein Faserlaser der Modellreihe MD-F ab; bei gemischten Werkstoffen oder besonders hohem Kontrastbedarf kommt der Hybridlaser der Modellreihe MD-X ins Spiel. Ebenso wichtig ist der Nachweis: Direktmarkierte Codes werden nach ISO/IEC TR 29158 bewertet, gefordert ist meist Güte B oder besser, und die Lesestation gehört hinter den letzten Prozessschritt, der den Code verändern kann.

Wo in der Prozesskette markiert werden sollte und wie die Lesbarkeit am Ende belastbar nachgewiesen wird, beschreibt der Leitfaden zur Direktmarkierung auf Metall.

Oberflächen- und Defektprüfung: Sichtprüfung ablösen, Pseudoausschuss vermeiden

Am Anfang vieler Prüfprojekte steht eine Reklamation, gefolgt von der Forderung nach einer 100-Prozent-Kontrolle statt der bisherigen Sichtprüfung. Die Fehlerbilder wiederholen sich über alle Fertigungsverfahren: Kratzer, Risse, Poren und Lunker, Grat als Anzeichen für Werkzeugverschleiß, Dellen, Verschmutzung und Beschichtungsfehler.

Das Kernproblem auf Metall ist die glänzende, oft gewölbte Oberfläche: Eine einfache 2D-Kamera meldet dort Fehler, wo nur eine Spiegelung ist, und erzeugt Pseudoausschuss. Dagegen helfen drei Hebel. Die Beleuchtungstechnik LumiTrax an Bildverarbeitungssystemen der Modellreihe CV-X trennt die Form der Oberfläche von ihrer Helligkeit. Ein 2D/3D Laser-Profilsensor der Modellreihe LJ-X8000 misst die Höhe statt des Kontrasts und erkennt Dellen, Grat und Erhebungen unabhängig vom Glanz. Und die AI-gestützte Fehlerklassifizierung der All-in-One Kamera mit integrierter AI der Modellreihe VS trennt echte Fehler von Pseudofehlern, wenn das Fehlerbild variiert. Für die Laboranalyse im Reklamationsfall stehen das Digitalmikroskop der Modellreihe VHX-X1 und das 3D-Profilometer der Modellreihe VR-6000 bereit.

Welche Fehlerbilder an welchem Prüfort erfasst werden und welche Technologie dafür trägt, beschreibt der Leitfaden zur Oberflächen- und Defektprüfung an Metallteilen.

Lageerkennung und Ausrichtung: das Bauteil dort verarbeiten, wo es wirklich liegt

Viele Anlagen scheitern nicht an der Bearbeitung, sondern an der Frage davor: Sitzt das Teil dort, wo der nächste Schritt es erwartet? Die Zuführung liefert Stanz- und Gussteile oft nur auf mehrere Millimeter genau an, während Fügen, Schweißen und Beschriften deutlich enger arbeiten müssen. Auf öligen, blanken oder zunderbehafteten Oberflächen wird eine Grauwertkante, die auf mattem Kunststoff sicher sitzt, schnell instabil; wo die Kontur allein nicht trägt, ist ein Höhenmerkmal per Laser-Profilsensor häufig der stabilere Weg.

Für die Übergabe an die Anlage gibt es zwei Wege, die oft verwechselt werden: die direkte Koordinatenausgabe, bei der der Roboter die erkannte Position anfährt, und die Nullpunktverschiebung, bei der nur die Abweichung von der Sollposition als Korrekturwert an Roboter, Achse oder SPS geht und der Folgeprozess in seinem gewohnten Programm bleibt.

Welche Lageinformation der Prozess wirklich braucht und wie sie zum Korrekturwert für Roboter, Achse oder SPS wird, beschreibt der Leitfaden zur Positionserkennung auf Metall.

Roboterführung und Automatisierung: der Griff in die Kiste

Wenn Metallverarbeiter eine Roboterzelle anfragen, steht am Anfang meist derselbe Satz: Wir finden keine Leute für die Beladung im Dreischichtbetrieb. Bei Metallteilen entscheidet eine Besonderheit über Erfolg und Misserfolg: Die Teile sind ölig aus dem Stanz- oder Drehprozess, sie glänzen, und sie liegen ineinander verhakt in Gitterboxen bis 1200x800x1000 mm.

Die Systemwahl folgt der Ordnung der Teile. Liegen sie vereinzelt und flach, genügt eine 2D-Roboterführung mit einer All-in-One Kamera mit integrierter AI der Modellreihe VS oder einem Bildverarbeitungssystem der Modellreihe CV-X. Liegen sie ungeordnet in der Kiste, erzeugt eine 3D-Roboterführung mit einer Robot Vision-Kamera der Modellreihe RB-1200 auf einem Bildverarbeitungssystem der Modellreihe CV-X ein 3D-Bild der gesamten Kiste, erkennt die Lage jedes greifbaren Teils und plant die Greifbahn mit Kollisionsprüfung. Entscheidend ist in beiden Fällen die Machbarkeitsprüfung mit öligen Originalteilen in der Originalkiste, nicht mit sauberen Mustern, sowie eine markenunabhängige Roboteranbindung über Profinet, EtherNet/IP oder TCP/IP.

Wie der Weg von der Materialfrage bis zur Serienzelle verläuft und woran der Machbarkeitstest entschieden wird, beschreibt der Leitfaden zum Bin Picking von Metallteilen.

Sortierung und Typunterscheidung: Verwechslung bei Varianten ausschließen

In der Blechverarbeitung unterscheiden sich Varianten oft nur in einem Loch, einer Fase oder einer Prägung, und in dokumentierten Anwendungen laufen bis zu 400 bis 500 Stanzvarianten über eine Linie. Das wiederkehrende Szenario beginnt beim Kunden: Eine Reklamation meldet vermischte Teile, ganze Bestände werden gesperrt, und Mitarbeiter sortieren tagelang von Hand nach. Der geschulte Blick des Werkers kommt bei wachsender Variantenzahl an seine Grenze.

Die Systemklasse ergibt sich aus Merkmal und Variantenzahl. Bei deutlichen Unterschieden im Lochbild oder in der Kontur ist ein AI Vision-Sensor der Modellreihe IV4 die wirtschaftliche Lösung. Bei Dutzenden oder Hunderten ähnlicher Typen bewertet die AI-Klassifizierung der All-in-One Kamera mit integrierter AI der Modellreihe VS das Gesamtbild des Teils und liest per AI-OCR bei Bedarf geprägte Klarschrift mit. Für kontinuierlich laufende Stanzbänder und Bildfelder bis etwa 850 mm übernehmen Bildverarbeitungssysteme der Modellreihen CV-X und XG-X die Prüfung, bei laufender Bahn die Modellreihe XG-X mit einem Zeilenkamera-Erweiterungsmodul. Die Prüfung gehört so früh wie möglich in die Kette, bevor ein falsches Teil weiteren Wert aufnimmt.

Wie das Unterscheidungsmerkmal gewählt und die Prüfung an Presse und SPS angebunden wird, beschreibt der Leitfaden zur Variantenunterscheidung in der Blechverarbeitung.

Einstieg und Machbarkeit: mit Originalteilen statt Musterteilen

Der wirkungsvollste Startpunkt liegt dort, wo heute nachweislich Fehler oder Wartezeiten entstehen: der Stau vor dem Messraum, die Linie mit der letzten Verwechslungsreklamation, der Beladeplatz, der nicht mehr besetzt werden kann. Ein Pilot an einer einzelnen Station liefert belastbare Ergebnisse und Prozessakzeptanz, bevor über einen Rollout entschieden wird.

Für alle sechs Themenfelder gilt dieselbe Regel: Die Machbarkeit wird am Originalteil im Realzustand abgesichert, ölig, verkratzt und über alle Varianten hinweg, nicht am sauberen Einzelmuster im Labor. Bei der Defekt- und Variantenprüfung gehören ein Fehlerkatalog und Grenzmuster dazu, die festlegen, ab wann eine Abweichung ein Fehler ist. Wer diese Vorarbeit leistet, vermeidet die klassische Enttäuschung, dass ein System im Test überzeugt und in der Serie am realen Material scheitert.

Häufige Fragen

F Womit sollte ein metallverarbeitender Betrieb bei der Automatisierung der Qualitätssicherung beginnen?

A

Am wirkungsvollsten ist der Start an der Stelle, an der heute messbar Zeit oder Qualität verloren geht: das ausgelastete Koordinatenmessgerät, die Linie mit Verwechslungsrisiko oder die nicht mehr besetzbare Sichtprüfung. Ein Pilot an einer einzelnen Station mit Originalteilen liefert die Entscheidungsgrundlage für den weiteren Ausbau.

F Können Maschinenbediener ohne Messtechnik-Ausbildung selbst messen?

A

Ja. Digitale Messprojektoren wie die Modellreihe IM-X rufen das Messprogramm auf, kompensieren die Ausrichtung des aufgelegten Teils automatisch und liefern in Sekunden ein Ergebnis, das nicht vom Bediener abhängt. Damit können Maschinenbediener und Auszubildende die Stichprobenkontrolle direkt an der Linie durchführen, inklusive automatischem Messbericht.

F Übersteht eine Lasermarkierung Härten, Strahlen und Beschichten?

A

Ja, wenn Verfahren und Prozessposition zum Bauteil passen. Eine ausreichend tiefe Gravur übersteht Kugelstrahlen und Abrieb, eine Anlassbeschriftung liefert korrosionsbeständigen Kontrast auf Stahl und Edelstahl. Entscheidend ist, die Lesbarkeit hinter dem letzten kritischen Prozessschritt nachzuweisen, bewertet nach ISO/IEC TR 29158.

F Warum meldet die Kamera auf glänzendem Metall Fehler, wo keine sind?

A

Reflektierende, gewölbte Oberflächen strahlen Licht so ab, dass eine einfache 2D-Kamera Spiegelungen als Defekte interpretiert. Abhilfe schaffen eine Beleuchtung, die die Oberflächenform statt der Helligkeit auswertet, ein Laser-Profilsensor, der echte Höhenfehler von Reflexen unterscheidet, oder eine AI-gestützte Klassifizierung, die echte Fehler von Pseudofehlern trennt.

F Wann reicht eine 2D-Kamera und wann braucht der Roboter ein 3D-System?

A

Eine 2D-Kamera liefert Position und Drehlage in der Ebene und genügt, wenn Teile vereinzelt und flach liegen, etwa auf Band, Tray oder Lichttisch. Sobald Teile verkippen, übereinanderliegen oder ungeordnet in der Kiste liegen, braucht der Roboter die vollständige 3D-Pose und eine Bahnplanung mit Kollisionsprüfung, also ein 3D-System.

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