Lesungen als Stückzahl: Pakete, Paletten und Kartontürme im Wareneingang und Warenausgang zählen und mit dem Auftrag abgleichen

An Rampe und Tor wird im Lager selten gezählt, meist wird gelesen. Jeder erfasste Code wird zu einer Buchung, und die Summe der Lesungen soll die Stückzahl ergeben: Pakete im Wareneingang, Paletten auf dem Weg ins Lager oder auf den Lkw, Kartons in einem Turm. Ob sie stimmt, hängt an Bedingungen, die selten im Lastenheft stehen. Der Beitrag richtet sich an Logistikplaner und an die IT-Verantwortlichen der Buchung und stützt sich auf dokumentierte Anwendungen, Ideen, Konzepte und Tests. Eine Zählung im Betrieb ist nicht darunter.

Wichtige Punkte im Überblick

  • Ein Codeleser zählt Lesungen, keine Objekte: Ein Stück wird aus einer Lesung nur, wenn jedes Objekt genau einen zählrelevanten Code zeigt und kein Objekt verdeckt oder doppelt erfasst wird.
  • Liegen Pakete eng an eng, gilt in einer dokumentierten Anwendung die Vereinzelung als Voraussetzung für jede verlässliche Zählung.
  • Schwankt die Zahl der Codes je Ladung, lässt sich beim AI-Codeleser der Modellreihe SR-X die Zahl der zu lesenden Codes zwischen 1 und 250 festlegen.
  • Ein Bild kann die Lesungen gegenprüfen: Für einen Scantunnel wurde ein Vision-Sensor getestet, der die Objekte zählt, damit feststeht, wie viele Codes der Leser ausgeben muss.
  • An einer Endverpackung lasen im Test vier Kameras an einer High-Performance Bildverarbeitung mit integrierter AI der Modellreihe VS-G Etiketten aus und gaben die Anzahl aus, mit sehr gutem Ergebnis.

Ein Code ist nicht immer ein Stück: wo die Zählung über Lesungen bricht

Ein Codeleser zählt Lesungen, keine Objekte. Ein Stück wird aus einer Lesung nur, wenn jedes Objekt genau einen zählrelevanten Code zeigt und kein Objekt verdeckt oder doppelt erfasst wird. In einem Wareneingang, der Pakete aller großen Paketdienste annimmt, ist das nicht gegeben: Auf den Kartons der Hersteller und Lieferanten stehen zusätzlich viele eigene Codes. Wer dort jede Lesung als Paket bucht, zählt zu viel, und ein Paket mit verdecktem Etikett fehlt.

Die Menge der Codes im Bild ist dabei nicht das Problem: Der Logistik-Codeleser der Modellreihe SR-5000 erfasst bis zu 250 Codes in einer Lesung. Die Frage ist, welche Lesung für ein Stück steht. Wie ein Scantor aufgebaut wird und wie man am Stapel zählt, ohne denselben Code doppelt zu erfassen, behandeln die Beiträge zur Codelesung in der Logistik.

Pakete, die aneinanderliegen: vor dem Zählpunkt vereinzeln

Die zweite Bruchstelle ist der Abstand. In einer Anwendung soll an der Entladerampe eine kleine Rollenbahn aufgebaut werden, die die Päckchen automatisch scannt; erfasst und gezählt werden sollen sie dabei. Im Vordergrund steht dort eine Frage: Gibt es einen Trigger, der unterscheiden kann, wenn die Pakete aneinanderliegen? Offen ist auch, nach welchen Codetypen oder Markern gefiltert werden soll.

Noch deutlicher wird das in dem eingangs genannten Wareneingang, der Pakete aller großen Paketdienste annimmt: Dort gibt es vier Handarbeitsplätze und zwei Scheren-Rollenbahnen, auf denen sich die Pakete eng an eng stapeln. Dort entstehen erhebliche Fehlmengen. Die Zählung hat Vorrang vor der Übergabe in die Datenbank, und festgehalten ist dort, dass es ohne Vereinzelung der Pakete keine verlässliche Zählung gibt.

Ein drittes Konzept setzt an mehreren Staplern an. Ein Codeleser soll den Code der entnommenen Plattenware lesen, ein System zählen, wie viele Pakete genommen wurden, und ein Multi-Funktions-CMOS-Analoglasersensor der Modellreihe IL als Abstandsgeber für die richtige Auslösung sorgen. Für die Auslegung folgt daraus: Entweder erreichen die Objekte den Leser getrennt, oder eine zweite Zählung prüft, wie viele tatsächlich vorbeikamen.

Die erwartete Anzahl: wenn jeder Auftrag anders viele Codes trägt

Eine Zählung braucht einen Maßstab. In einem Werk steht an der Durchfahrt bereits ein Logistik-Codeleser der Modellreihe SR-5000. Die Mitarbeiter fahren mit dem Hubwagen vorbei und prüfen danach selbst, ob wirklich alle Codes gelesen wurden. Sortenrein wird dort nicht produziert, die Zahl der Codes je Ladung schwankt stark. Als Idee ist notiert, mit einem zweiten, leicht versetzten Leser ein Auftragsblatt zu erfassen, dessen Code die Zahl der zu lesenden Codes trägt; ein Skript soll die erwartete Anzahl damit automatisch umstellen.

Für dieses Muster bringt der AI-Codeleser der Modellreihe SR-X passende Einstellungen mit. Die Zahl der zu lesenden Codes lässt sich zwischen 1 und 250 festlegen. Ist die Option „Nicht alle Codes müssen erkannt werden“ gesetzt, gibt der Leser für Reihen, die er nicht gelesen hat, einen Fehlercode aus. Arbeiten mehrere Leser an einer Station, liegen Gesamtzahl und Skripte am Master, der die Ergebnisse aller Geräte beurteilt; eine SPS zum Zusammenführen der Teilergebnisse braucht es dafür nicht.

Zweite Meinung im Bild: Objekte zählen, um Lesungen zu bestätigen

Wo Vereinzelung nicht möglich ist, kann ein Bild die Lesungen gegenprüfen. Für einen Scantunnel wurde ein AI Vision-Sensor der Modellreihe IV4 mit AI Count getestet. Er sollte zählen, wie viele Objekte im Tunnel liegen, damit feststeht, wie viele Codes der Leser ausgeben muss. Getestet wurde in Abständen von etwa 70 cm bis 1,5 m mit vier eingelernten Bildern, und nebenbei war zu erkennen, ob ein Objekt richtig herum liegt.

Denselben Gedanken verfolgt eine Anwendung in einem Warenausgang, der sensible Empfänger beliefert und in dem Aufträge gelegentlich vermischt werden. Die Barcodes von mehr als 20 Kartons gleichzeitig soll ein Codeleser abfragen, und ein Vision-Sensor mit weitem Bildfeld soll die Pakete unabhängig davon zählen, abgeglichen mit dem Warensystem. Der Vision-Sensor zählt mit AI Count bis zu 500 Objekte je Werkzeug, bei Arbeitsabständen von 50 mm bis über 3 m.

Am Packplatz: Mengen vom Etikett lesen und aufaddieren

Am Packplatz kann die Lesung die Menge selbst liefern. Ein Konzept für Packtische und Kommissionierung beschreibt zwei Wege mit dem Mobilen Computer der Modellreihe BT-A600. Im ersten entsteht mit dem BT Application Design Tool eine eigenständige Anwendung, die die Aufträge als CSV-Datei erhält. Der Mitarbeiter scannt die Artikelnummer, die gegen den Kommissionierauftrag geprüft wird, bei einem Fehlgriff kommt ein Fehlsignal. Dann scannt er die Stückzahl in Klarschrift von der Packung, und das Gerät addiert, bis die Auftragsmenge erreicht ist. Das Beispiel im Konzept sind 76 Stück in Packungen zu je vier, rechnerisch also 19 Packungen, ohne dass jemand mitzählt oder rechnet. Im zweiten Weg führt eine direkte Schnittstelle eines Softwarepartners jede Erfassung unmittelbar als Buchung in SAP. Wie Teile ohne Code am Packtisch im Bild gezählt werden, ist Thema eines eigenen Beitrags.

Kartonturm, Palette und Gitterbox: Packstücke im Warenausgang zählen

Im Warenausgang wandert die Frage vom Paket zur Ladung, und die Zahl kommt aus dem Auftrag. Ein Hersteller versendet Paletten mit sechs Kartontürmen; der Barcode am Turm weiß, wie viele Kartons dort stehen sollen, zum Beispiel acht oder neun. Gewünscht ist eine Kamera, die diesen Code liest und mit dem vergleicht, was sie sieht. Weil sich die Palette beim Wickeln dreht, könnte eine einzige Kamera beide Seiten aufnehmen.

Ein Konzept für ein neues Distributionszentrum rechnet mit sortenreinen Paketen auf Europaletten, bis zu 1000 Palettenvarianten, Höhen bis 2,3 m und rund 80 Paletten je Stunde. Die Paketzahl soll von der Seite und von oben erfasst werden. An einer Endverpackung wurde getestet: Etiketten auslesen und die Anzahl ausgeben, mit vier Kameras zu je 21 MP an einer High-Performance Bildverarbeitung mit integrierter AI der Modellreihe VS-G, gezählt über die optionale AI-Segmentierung. Das Ergebnis war sehr gut. Die VS-G nimmt bis zu acht Kameras an einem Controller auf. Ein weiterer Betrieb will Gitterboxen und Paletten zählen, die fahrerlose Transportfahrzeuge in den Warenausgang fahren, und wünscht dafür einen Aufbau mit vier 5-MP-Kameras.

Schwieriger ist eine Anwendung mit Kartonstapeln bis etwa 1,8 m: Schwer vorherzusagen ist, wie sich die Kartonkanten zerdrücken. Schadensbilder und Folienkontur gehören zur Palettenprüfung, 3D-Zählung im Durchlauf zum Beitrag über Verpackungs- und Montagelinien.

Ohne Code und ohne Kamera kommt ein weiterer Aufbau aus. Ein Lichtvorhang von rund 1,5 m mit Zähler soll an einer Einwurföffnung, die etwa so groß ist wie eine Europalette, die versendete Menge absichern. Weil im Lager kaum Steckdosen sind, ist ein verfahrbarer Aufbau mit Batterie denkbar. Der Zähler erfasst dabei Unterbrechungen des Lichtvorhangs; fallen zwei Produkte gleichzeitig hindurch, ergibt das eine.

Von der Zahl zur Buchung: Abgleich mit Auftrag und Warenwirtschaft

Am Ende soll die Zahl gebucht werden. In einer Anwendung sollen mit dem Logistik-Codeleser Paletten mit Fertigware gezählt werden, wenn sie nach der Produktion ins Lager und später auf den Lkw gehen, an voraussichtlich zwei Stellen. In einem Konzept für den Warenausgang eines Handelsunternehmens soll die Wareninformation aus dem Label im Durchgang mit der Zählung abgeglichen werden. Ein Werk, das Stapler heute von Hand scannt, nennt das Zählen von Produkten für die Palettenerfassung über Codes als Thema für später.

Für die Buchung hilft, wenn die Abweichung belegbar ist. Der SR-X legt Lesedaten als CSV-Datei per FTP ab und sendet Bilder an einen FTP-Server, auf Wunsch nur bei Lesefehlern. Eine fehlende Lesung lässt sich dann am Bild nachvollziehen. Ein erster Test sollte mit echten Aufträgen, eng liegenden Paketen und der Übergabe an ERP oder WMS arbeiten, nicht mit einem vereinzelten Musterpaket.

Häufige Fragen

F Was passiert, wenn Pakete am Leser aneinanderliegen?

A

Liegen Pakete ohne Abstand, kann der Leser zwei Objekte als eines erfassen oder einen verdeckten Code übersehen. Der sichere Weg ist eine Vereinzelung auf der Fördertechnik vor dem Zählpunkt. Ob ein Trigger aneinanderliegende Pakete getrennt erfasst, ist eine Frage für den Test mit echten Paketen. In einer dokumentierten Anwendung gilt die Vereinzelung als Voraussetzung für jede verlässliche Zählung.

F Wie erfährt ein Codeleser, wie viele Codes er lesen soll?

A

Beim AI-Codeleser der Modellreihe SR-X wird die Zahl der zu lesenden Codes zwischen 1 und 250 eingestellt. Schwankt sie je Auftrag, kann sie aus einem zusätzlich gelesenen Code kommen, etwa von einem Auftragsblatt; in einem dokumentierten Fall ist dafür ein Skript als Idee notiert. Nicht gelesene Reihen meldet der Leser mit einem Fehlercode.

F Wozu eine Kamera, wenn der Codeleser schon liest?

A

Die Kamera zählt Objekte, auch solche, deren Code nicht sichtbar ist. Stimmt ihre Zahl mit der Zahl der Lesungen überein, ist die Buchung abgesichert; weicht sie ab, fehlt eine Lesung oder liegen Objekte aneinander. Für einen Scantunnel wurde genau dieser Abgleich mit einem Vision-Sensor getestet.

F Kann ein mobiler Computer am Packplatz die Menge aufaddieren?

A

In einem dokumentierten Konzept scannt der Mitarbeiter die Artikelnummer und danach die Stückzahl in Klarschrift von jeder Packung, und eine Anwendung aus dem BT Application Design Tool addiert bis zur Auftragsmenge. Die Erfassung wird als CSV-Datei auf einem Rechner oder Server abgelegt oder über eine Schnittstelle des Softwarepartners direkt in SAP übertragen.

F Wie zählt man Kartons in einem Turm auf der Palette?

A

Die Sollzahl kommt aus dem Auftrag, oft aus einem Code am Turm. Eine Kamera liest diesen Code und vergleicht ihn mit der Zahl der sichtbaren Kartons, zum Beispiel während sich die Palette im Wickler dreht. Für große Ladungen nimmt die VS-G bis zu acht Kameras an einem Controller auf.

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