Lagekontrolle an sicherheitsrelevanten Bauteilen: Airbag, Lenkung, Bremse und Steckverbindung nachweisbar prüfen

An einer Zündeinheit im Rückhaltesystem, an einem Spurstangenkopf, an einer Leitung im Bremssystem oder an einer Steckverbindung im Fußgängerschutz entscheidet die Lage eines Bauteils über seine Funktion. Die Prüfung dieser Lage kommt in den dokumentierten Projekten aber selten aus der Fertigung selbst. Sie steht im Lastenheft des Kunden, sie hat einen Audittermin, oder sie ist die Antwort auf eine Reklamation, die bereits eingegangen ist. Damit verschiebt sich die Aufgabe: Die Station soll nicht nur verhindern, dass ein falsch liegendes Teil weiterläuft, sie soll später für jedes einzelne Teil belegen können, dass sie geprüft hat und wie sie entschieden hat. Dieser Beitrag beschreibt den Weg von dieser Anforderung zur Station: wie das Prüfkriterium entsteht, wenn keine Zeichnung eines nennt, wie sich Absicherung und Nachweis unterscheiden, was je Teil gespeichert wird, wie die Nacharbeitsschleife aussieht und was im Audit erklärt werden muss.

Wichtige Punkte im Überblick

  • Diese Prüfungen entstehen selten aus der Fertigung, sondern aus einer Vorgabe des Fahrzeugherstellers, einem angekündigten Audittermin oder einer bereits eingegangenen Reklamation, und gefordert wird darin ein Ergebnis und fast nie eine technische Umsetzung.
  • Das Lagekriterium ist vorher fast nie dokumentiert und wird deshalb selbst geschrieben, getragen von drei Quellen: dem Folgeprozess, reklamierten und bekannten Schlechtteilen und einem Satz aus i.O.- und n.i.O.-Teilen der eigenen Fertigung.
  • Absicherung und Nachweis sind zwei verschiedene Anforderungen, denn die Absicherung wirkt in Echtzeit und bestimmt Trigger, Verriegelung und Reaktion im Fehlerfall, während der Nachweis Monate später auffindbar, einem bestimmten Teil zuordenbar und ohne Anwesenheit an der Station erklärbar bleiben muss.
  • Ein brauchbarer Datensatz je Teil besteht aus Ergebnis, den zur Entscheidung führenden Werten, dem ausgewerteten Bild, Zeitstempel und Programm, und seine Verknüpfung mit der Kennung des Teils oder Fahrzeugs kommt aus der Steuerung, weil er im Reklamationsfall ohne sie wertlos ist.
  • Im Audit wird nicht gefragt, ob die Prüfung funktioniert, sondern woher Sie wissen, dass sie heute noch so funktioniert wie bei der Abnahme, und darauf zahlen eine steife Halterung, eine Abschirmung gegen Fremdlicht, ein Referenzteil zu Schichtbeginn und eine dokumentierte Regel für Änderungen an Programmen und Grenzwerten ein.

Wenn nicht der Prozess die Prüfung verlangt, sondern der Kunde

Eine Prüfung, die aus der Fertigung kommt, hat ein wirtschaftliches Ziel: weniger Ausschuss, weniger Nacharbeit, weniger Stillstand. Läuft der Prozess über Monate stabil, steht ihre Berechtigung irgendwann zur Diskussion. Eine Prüfung, die aus dem Lastenheft des Kunden kommt, funktioniert genau umgekehrt. Sie gehört zur Vereinbarung über das Bauteil, sie bleibt auch dann bestehen, wenn lange kein Fehler aufgetreten ist, und sie muss zeigen können, dass sie stattgefunden hat.

Drei Auslöser wiederholen sich in dokumentierten Anwendungen. Eine Vorgabe des Fahrzeugherstellers, weil das Bauteil als sicherheitsrelevant eingestuft ist. Ein angekündigter Audittermin beim Zulieferer. Und eine Reklamation, die bereits im Haus ist und deren Wiederholung ausgeschlossen werden soll. Ein dokumentierter Fall ist eine Steckverbindung im Fußgängerschutz, deren Kontrolle der Kunde ausdrücklich fordert. Was in solchen Vorgaben fast nie steht, ist die technische Umsetzung. Gefordert wird ein Ergebnis: geprüft, festgehalten, dem Teil zuordenbar.

Für die Planung kehrt das die übliche Reihenfolge um. Zuerst klären Sie, wem die Station etwas belegen muss und in welcher Form, danach, was sie dafür sehen und entscheiden muss.

Welche Lagefehler an sicherheitsrelevanten Teilen durchschlagen

Die Fehlerbilder aus den Projekten sind unspektakulär und genau deshalb gefährlich. Eine Zündplatte im Rückhaltesystem, die um 180 Grad verdreht oder mit der Rückseite nach oben in die Aufnahme gelegt wird. Ein Kopfairbag, der entlang des Dachrahmens um einige Millimeter verschoben liegt. Eine Entlüfterschraube, deren Drehlage über die Richtung entscheidet, in die später Öl austritt. Ein Stecker, der eingesteckt ist, aber nicht vollständig eingerastet. Ein Halter, der verdreht verschraubt wurde.

Allen gemeinsam sind zwei Eigenschaften. Das Teil ist vorhanden, eine reine Anwesenheitsabfrage meldet also i.O. Und der Fehler ist nach dem nächsten Arbeitsschritt nicht mehr sichtbar, weil eine Abdeckung, eine Verschraubung oder eine Verklebung darüberkommt. Die Station steht deshalb dort, wo der Fehler noch mit wenigen Handgriffen korrigierbar wäre.

Eine solche Prüfung ist keine Sicherheitsfunktion und ersetzt keine. Sie hält fest, ob ein Bauteil zum Prüfzeitpunkt lagerichtig saß. Konstruktive Absicherung, Verriegelungen und Schutzeinrichtungen an der Anlage bleiben davon unberührt und werden getrennt ausgelegt.

Prüfkriterium ohne Zeichnungsangabe festlegen

In dieser Stichprobe ist das Lagekriterium vorher fast nie dokumentiert. Die Zeichnung beschreibt das Bauteil, nicht seine erlaubte Lage in der Baugruppe, und die Kundenvorgabe nennt die Pflicht, nicht die Grenze. Wer die Station bestellt, muss das Kriterium selbst schreiben.

Drei Quellen tragen es. Erstens der Folgeprozess: Was verträgt die Biegeanlage, der Schrauber, die Presse oder die Dichtfläche noch, bevor das Ergebnis nicht mehr stimmt. In dokumentierten Anwendungen stehen dafür Winkelgrenzen im einstelligen Gradbereich und Versatzgrenzen im Millimeterbereich, und sie stammen durchweg aus dem Prozess, nicht aus einer Zeichnung. Zweitens reklamierte und bekannte Schlechtteile, die zeigen, wie ein Fehler in der Realität aussieht. Drittens ein Satz aus i.O.- und n.i.O.-Teilen aus der eigenen Fertigung, an dem sich die Grenze überhaupt erst einstellen lässt.

Festgehalten gehören danach vier Angaben: das Referenzmerkmal, gegen das gemessen wird, die zulässige Abweichung mit Richtung, die Bedingungen der Aufnahme, und die Variante, für die das alles gilt. Im Audit wird nach dem Kriterium gefragt, nicht nach der Geräteeinstellung.

Prozessabsicherung und Nachweis sind zwei verschiedene Anforderungen

Beides wird gern in einem Satz bestellt und ist doch nicht dasselbe. Die Absicherung wirkt in Echtzeit: Sie verhindert, dass ein falsch liegendes Teil den nächsten Schritt erreicht. Sie bestimmt Taktzeit, Trigger, Verriegelung mit der Anlage und die Reaktion im Fehlerfall. Der Nachweis wirkt danach: Er muss Wochen oder Monate später auffindbar sein, sich auf ein bestimmtes Teil beziehen lassen und erklärbar bleiben, wenn niemand mehr an der Station steht.

Aus dieser Trennung folgen unterschiedliche Festlegungen. Die Absicherung braucht eine Entscheidung über das Verhalten bei n.i.O. Der Nachweis braucht Speicherort, Namenskonvention, Aufbewahrungsdauer und eine geklärte Zugriffsfrage. In den Projekten erscheint die Dokumentation regelmäßig als zweite Ausbaustufe, etwa als späterer Transfer auf einen Dateiserver. Wer sie erst dann konzipiert, ändert an einer laufenden Station Schnittstelle und Datenhaltung nachträglich.

Was je Teil gespeichert wird und wie es dem Fahrzeug zugeordnet bleibt

Ein brauchbarer Datensatz besteht aus mehr als einem Bild. Sinnvoll sind das Ergebnis als i.O. oder n.i.O., die Werte, die zu dieser Entscheidung geführt haben, also etwa Versatz in Millimetern oder Winkel in Grad, das ausgewertete Bild, ein Zeitstempel, das verwendete Programm samt Variante sowie Station und Gerät. Ohne die Werte lässt sich später nicht unterscheiden, ob ein Teil knapp innerhalb oder klar innerhalb der Grenze lag.

Der wichtigste Teil ist die Zuordnung, und sie kommt nicht aus der Prüfstation. Die Kennung, unter der das Teil oder das Fahrzeug in der Linie geführt wird, übergibt die Steuerung mit dem Trigger, oder die Station übernimmt sie vom Werkstückträger. Fehlt diese Verknüpfung, ist der gespeicherte Satz im Reklamationsfall wertlos, weil er sich auf kein konkretes Fahrzeug zurückführen lässt.

Der Umfang wird mit dem Kunden vereinbart, nicht vom Gerät bestimmt. Üblich ist: Bilder zu n.i.O.-Ergebnissen immer, Bilder zu i.O.-Ergebnissen vollständig oder als Stichprobe, Werte und Ergebnis dagegen lückenlos. Planen Sie die Datenmenge je Schicht früh, weil sie über Ablage und Netzanbindung entscheidet.

Wenn n.i.O. gemeldet wird: Nacharbeit, zweite Prüfung und Freigabe

Ein Nachweis ist nur so viel wert wie die Reaktion, die er auslöst. Festzulegen ist, was physisch passiert: Bleibt das Teil in der Vorrichtung, hält die Linie an, wandert das Teil an einen Nacharbeitsplatz. Ebenso, wer es nach der Korrektur freigibt und ob es dieselbe Station erneut durchläuft. Die saubere Regel ist die zweite Prüfung: Das nachgearbeitete Teil erzeugt einen eigenen Datensatz, statt dass der erste überschrieben wird.

Eine manuelle Freigabe ohne erneute Prüfung sollte möglich, aber selbst dokumentiert sein, mit Grund und verantwortlicher Person. Und beobachten Sie die Rate der Fehlauslösungen in den ersten Wochen. Eine Station, die Gutteile aussteuert, wird umgangen, und damit fällt genau der Nachweis weg, für den sie gebaut wurde.

Die Station im Audit erklären: Wiederholbarkeit, Fremdlicht und Zugriff

Im Audit wird nicht gefragt, ob die Prüfung funktioniert, sondern woher Sie wissen, dass sie heute noch so funktioniert wie bei der Abnahme. Darauf zahlen vier Dinge ein. Eine steife, definierte Halterung, bei der ein Anstoßen auffällt, statt das Bildfeld unbemerkt zu verdrehen. Eine Abschirmung gegen Fremdlicht, die im Konzept steht: In zwei dokumentierten Projekten war eine Umhausung nicht Empfehlung, sondern Bedingung dafür, dass die Prüfung überhaupt trägt. Ein Referenzteil, das zu Schichtbeginn durchläuft und die Funktion bestätigt. Und eine klare Regel, wer Programme und Grenzwerte ändern darf und wie diese Änderung festgehalten wird.

Dazu gehört eine gepflegte Liste der Programme mit der Zuordnung, welche Variante mit welchem Programm läuft. Sie ist im Audit oft die erste Frage und im Betrieb die häufigste Fehlerquelle.

Die Sensorik ist in diesen Stationen der kleinere Teil

Die Gerätewahl folgt aus der Ausgabe, nicht umgekehrt. AI Vision-Sensoren der Modellreihe IV4 passen dort, wo die Station eine Frage je Teil beantwortet und das Ergebnis mit Bild ablegt. All-in-One Kameras mit integrierter AI der Modellreihe VS sind die Wahl, wenn mehrere Kriterien, Variantenumschaltung und Protokollierung zusammenkommen; sie unterstützen PROFINET, EtherNet/IP, PLC-Link und EtherCAT. High-Performance Bildverarbeitung mit integrierter AI der Modellreihe VS-G trägt bis zu acht Kameras je Controller, wenn eine Station aus mehreren Blickrichtungen belegt werden muss. Welche Beleuchtung, welcher Hintergrund und wie viele Programme nötig sind, entscheidet sich am Teil und ist eine eigene Auslegungsfrage.

Vom Test am Originalteil zur Freigabe

Der belastbare Weg führt über den Test an Originalteilen, mit i.O.- und n.i.O.-Mustern, unter der Beleuchtung, die an der Station tatsächlich herrscht, und mit schriftlichem Ergebnis. Dieser Bericht ist in der Praxis das eigentliche Lastenheft: Er hält das Kriterium fest, das vorher nirgends stand, und er ist die Grundlage für Abnahme und Freigabe der Station.

Bleibt die kaufmännische Seite: Häufig ist offen, wer eine Prüfung bezahlt, die der Kunde verlangt. Rechnen lässt sie sich nur außerhalb der Gerätekosten, nämlich gegen Nacharbeit am fertigen Fahrzeug, gegen Ausschuss ganzer Baugruppen und gegen den Aufwand, der entsteht, wenn im Reklamationsfall kein Nachweis je Teil vorliegt.

Häufige Fragen

F Was muss eine Lageprüfung an einem sicherheitsrelevanten Bauteil belegen können?

A

Dass sie für jedes Teil stattgefunden hat und wie sie entschieden hat. Dazu gehören Ergebnis, die zur Entscheidung führenden Werte, ein Zeitstempel, das verwendete Programm und eine Kennung, über die sich der Datensatz einem konkreten Teil oder Fahrzeug zuordnen lässt. Ein Bild allein reicht nicht, weil ihm die Entscheidungsgrundlage fehlt.

F Wie legt man das Lagekriterium fest, wenn die Zeichnung keines nennt?

A

Über den Folgeprozess und über reale Teile. Maßgeblich ist, welche Abweichung die nächste Operation noch verträgt; ergänzt wird das durch reklamierte Schlechtteile und einen Satz aus i.O.- und n.i.O.-Teilen der eigenen Fertigung. Das Ergebnis wird als Referenzmerkmal, zulässige Abweichung, Aufnahmebedingung und Variante schriftlich festgehalten.

F Ersetzt eine solche Prüfung eine Sicherheitsfunktion?

A

Nein. Sie dokumentiert, ob ein Bauteil zum Prüfzeitpunkt lagerichtig saß. Konstruktive Absicherung des Bauteils und Schutzeinrichtungen an der Anlage sind davon getrennt und werden eigenständig ausgelegt.

F Wie wird ein n.i.O.-Teil nach der Nacharbeit wieder freigegeben?

A

Am saubersten über eine zweite Prüfung an derselben Station, die einen eigenen Datensatz erzeugt, statt den ersten zu überschreiben. Ist eine manuelle Freigabe vorgesehen, sollte sie mit Grund und verantwortlicher Person festgehalten werden. Legen Sie außerdem vorher fest, ob das Teil in der Vorrichtung bleibt, die Linie anhält oder an einen Nacharbeitsplatz geht.

F Worauf zielen die Fragen im Audit an einer solchen Station?

A

Auf die Wiederholbarkeit über die Zeit. Gefragt wird nach der Halterung und ihrer Stabilität, nach der Abschirmung gegen Fremdlicht, nach einem Referenzteil zur Funktionsbestätigung zu Schichtbeginn und danach, wer Programme und Grenzwerte ändern darf und wie diese Änderung festgehalten wird.

F Wann sollte die Dokumentation geplant werden?

A

Zusammen mit der Absicherung, nicht danach. Speicherort, Namenskonvention, Aufbewahrungsdauer und die Übergabe der Teilekennung bestimmen die Schnittstelle der Station. In den Projekten erscheint die Dokumentation oft als zweite Ausbaustufe, was eine Änderung an der bereits laufenden Station bedeutet.

Weiterführende Artikel

Übergeordnete Themenseite: Positionierung und Ausrichtung: Lage, Drehlage und Koordinaten sicher an Roboter, Achse und Prozess übergeben

Übergeordnete Themenseite: Messen, Kennzeichnen und Prüfen in der Automobilproduktion: Der Überblick für Qualitäts- und Fertigungsverantwortliche

Hauptartikel zum Thema: Lagekontrolle in der Fahrzeugendmontage: Anbauteile, Dichtungen und Stecker am Fahrzeug prüfen

Weiterer Artikel im Thema: Drehlage und Orientierung in der Powertrain- und Sicherheitsteilemontage: ausrichten, bevor gefügt wird

Weiterer Artikel im Thema: Fügespalt, Versatz und Bündigkeit: die Lage sichern, bevor geklebt, genietet und verschraubt wird

Weiterer Artikel im Thema: Varianten, Farben und Fremdlicht: warum Lageprüfung in der Automobilfertigung nicht an der Auflösung scheitert