Klebstoffraupe und Klebeband kontrollieren: Auftrag vorhanden, Abzieher entfernt

Klebeprozesse sind unbestechlich: Was nicht klebt, hält nicht. Trotzdem rutschen zwei einfache Fehler immer wieder durch die Fertigung, weil sie im Takt kaum auffallen. Eine Klebstoffraupe ist stellenweise unterbrochen, oder ein Schutzstreifen wurde nur halb abgezogen. Beides führt später dazu, dass eine Verbindung nicht hält, und beides ist eine klassische Aufgabe für die 100%-Kontrolle. Die Prüfung sitzt oft direkt am Applikator oder am Roboterarm, arbeitet mit kurzem Abstand und muss mit wechselnden Schalenfarben zurechtkommen. Dieser Beitrag zeigt, wie sich Auftrag und Liner mit einem AI Vision-Sensor der Modellreihe IV4 sicher prüfen lassen, warum die AI dem Kontrastsensor bei Farbwechseln überlegen ist und wie mehrere Klebestellen parallel abgesichert werden.

Wichtige Punkte im Überblick

  • In Klebeprozessen hält nur, was klebt, doch zwei Fehler rutschen im Takt durch: eine stellenweise unterbrochene Klebstoffraupe und ein nur halb abgezogener Schutzstreifen.
  • Die Vollständigkeit der Raupe ist eine Konturaufgabe: ein AI Vision-Sensor der Modellreihe IV4 verfolgt den gesamten Verlauf im Bild und meldet eine Unterbrechung, in dokumentierten Anwendungen ab etwa 1 mm.
  • Beim Schutzstreifen ist der halb abgezogene Liner der heimtückische Fall, weshalb Anlagen häufig an beiden Enden eines langen Streifens prüfen, ob die charakteristische Linerfarbe noch vorhanden ist.
  • Bei wechselnden Schalenfarben muss ein Kontrastsensor mit fester Schwelle neu eingestellt werden, während das lernende AI-Werkzeug von Edelstahl über Weiß bis Schwarz stabil vorhanden von fehlend trennt.
  • Die Prüfung sitzt oft direkt am Applikator ab rund 50 mm Abstand, verlangt ein stabiles Lichtkonzept und eine reproduzierbare Position und verriegelt idealerweise den nächsten Schritt.

Warum unterbrochene Raupen und halb abgezogene Liner unbemerkt durchrutschen

Der Auftrag von Klebstoff und das Abziehen eines Schutzstreifens sind Handgriffe, die im normalen Takt kaum Aufmerksamkeit binden. Genau darin liegt das Risiko. Eine Raupe, die an einer Stelle aussetzt, sieht auf den ersten Blick vollständig aus. Ein Liner, der zu 90 Prozent entfernt ist, wirkt abgezogen. Der Fehler zeigt sich erst, wenn die Verbindung nicht trägt.

Drei Eigenschaften machen diese Prüfung anspruchsvoll:

  • Der Fehler ist klein und lokal. Eine Unterbrechung von wenigen Millimetern entscheidet über die Funktion. In dokumentierten Anwendungen müssen Unterbrechungen ab etwa 1 mm sicher erkannt werden.
  • Der Untergrund wechselt. Klebestreifen sitzen auf Edelstahl, weißen oder schwarzen Kunststoffschalen und lackierten Außenschalen. Der Kontrast zwischen Kleber und Untergrund ist damit von Los zu Los unterschiedlich.
  • Der halb abgezogene Liner ist der heimtückische Fall. Ein Schutzstreifen kann teilweise entfernt und dennoch fehlerhaft sein. Eine reine Ja-Nein-Prüfung an einem Punkt übersieht das.

Vollständigkeit der Klebstoffraupe: Unterbrechungen ab etwa 1 mm erkennen

Die zentrale Frage beim Auftrag lautet, ob die Raupe vollständig und ohne Unterbrechung verläuft. Das ist eine Konturaufgabe, keine Punktprüfung. Der Vision-Sensor verfolgt den gesamten Verlauf der Raupe im Bild und meldet eine Lücke, sobald sie die definierte Mindestgröße überschreitet.

Für die Auslegung sind einige Praxiswerte wichtig:

  • Mindestgröße der Unterbrechung: In der Anwendungspraxis liegt die Grenze häufig bei rund 1 mm. Die Auflösung des Bildfelds muss so gewählt sein, dass ein Fehler dieser Größe sicher mehrere Pixel belegt.
  • Kurzer Arbeitsabstand: Am Applikator sitzt der Sensor teils ab rund 50 mm über der Klebestelle. Bildfeld und Optik richten sich nach diesem engen Bauraum.
  • Anwesenheit und Unversehrtheit zusammen: Geprüft wird nicht nur, ob überhaupt Klebstoff da ist, sondern ob die Raupe durchgehend aufgetragen wurde.

Wo neben der Vollständigkeit auch die Raupe vermessen werden soll, etwa Breite und Lage, führt der Weg zur All-in-One Kamera mit integrierter AI der Modellreihe VS. Für die reine Vollständigkeit genügt der AI Vision-Sensor.

Abzieher- und Linerkontrolle: farbiger Schutzstreifen vollständig entfernt

Die zweite Aufgabe ist die Kontrolle des Schutzstreifens. Bevor gefügt wird, muss der Abzieher restlos entfernt sein. Häufig hilft die Farbe: Der Liner ist weiß oder farbig, während die Klebefläche darunter anders aussieht. Der Sensor prüft, ob die charakteristische Linerfarbe an der Prüfstelle noch vorhanden ist.

Zur sauberen Prüfung gehört, den kritischen Fall des halb abgezogenen Liners bewusst mitzudenken. In dokumentierten Anwendungen prüfen Anlagen deshalb an beiden Enden eines langen Klebestreifens, ob die Folie abgezogen wurde, denn sie könnte auch nur teilweise entfernt sein. Zwei Prüfstellen an einem Streifen sind hier zuverlässiger als eine.

Für die reine Abzieher-Kontrolle an einer definierten Position, bei stabiler Farbe und festem Untergrund, kann auch ein Reflexlichttaster mit Farb- oder Kontrastauswertung genügen. Sobald der Untergrund oder die Schalenfarbe wechselt, verschiebt sich der Vorteil deutlich zum lernenden Vision-Sensor.

Wechselnde Schalenfarben: warum die AI dem Kontrastsensor überlegen ist

Der wunde Punkt einfacher Sensorik ist der Farbwechsel. Ein Kontrast- oder Farbsensor arbeitet mit fest eingestellten Schwellen. Läuft heute eine schwarze und morgen eine weiße Schale, muss er neu eingestellt werden, und bei lackierten Außenschalen mit Reflexen wird die feste Schwelle unzuverlässig.

Der AI Vision-Sensor löst dies über das eingelernte AI-Werkzeug. Es trennt vorhanden von fehlend anhand von Beispielbildern, nicht anhand einer einzelnen Schwelle. Damit bleibt die Prüfung auch dann stabil, wenn der Untergrund von Edelstahl über Weiß zu Schwarz wechselt. Diese Robustheit gegenüber Farb- und Untergrundschwankungen ist in den Projektunterlagen der wiederkehrende Grund, den Kontrastsensor durch einen Vision-Sensor zu ersetzen.

Der Vorteil liegt nicht nur in der Erkennungssicherheit, sondern auch im Betrieb. Weniger Nachjustieren bei Produktwechsel bedeutet weniger Stillstand und weniger Pseudoausschuss, was gerade an Anlagen mit häufigem Variantenwechsel spürbar wird.

Prüfung direkt am Applikator und Roboterarm: Einbau und Arbeitsabstand

Der Ort der Prüfung ist bei Klebeprozessen oft eng. Der Sensor sitzt direkt am Applikator oder am Roboterarm und prüft im gleichen Zug, in dem der Klebstoff aufgetragen wird. Das stellt Anforderungen an den Einbau:

  • Kurzer Arbeitsabstand: Teils ab rund 50 mm über der Klebestelle. Ein kompakter Sensor mit integrierter Beleuchtung passt in diesen Bauraum.
  • Stabile Beleuchtung: Weil Fremdlicht und Reflexe am Roboterarm variieren, gehört ein definiertes Lichtkonzept zur Auslegung. Die integrierte Beleuchtung des Sensors deckt viele Fälle ab.
  • Bewegter Einbau: Am Roboterarm ist auf Kabelführung, Erschütterung und reproduzierbare Prüfposition zu achten, damit das Bild von Zyklus zu Zyklus gleich bleibt.

Ist der Sensor am Applikator montiert, verriegelt sein Ergebnis idealerweise den nächsten Schritt. Nur bei erkanntem, vollständigem Auftrag wird gefügt.

Mehrere Klebestellen parallel: Prüfstellen und Ergebnisanbindung an die Steuerung

Selten gibt es nur eine Klebestelle. An einer Abdeckung sitzen mehrere Klebestreifen, und jeder davon ist zu prüfen. Zwei Wege sind gebräuchlich:

  • Mehrere Prüfstellen in einem Bild: Deckt ein Bildfeld alle Streifen ab, prüft ein AI Vision-Sensor sie in einem Programm parallel und meldet, welche Stelle fehlerhaft ist.
  • Mehrere Sensoren parallel: Liegen die Klebestellen zu weit auseinander oder in unterschiedlichen Blickrichtungen, arbeiten mehrere Geräte parallel, jedes an seiner Stelle.

Die Ergebnisanbindung erfolgt per PROFINET oder vergleichbarer Schnittstelle an die Anlagensteuerung. Das Prüfergebnis, i.O./n.i.O. je Stelle, gibt den nächsten Prozessschritt frei oder sperrt ihn. Der größte Nutzen entsteht, wenn die Prüfung den Folgeschritt verriegelt und nicht nur protokolliert.

Kommt zur Vollständigkeit eine Vermessung der Raupe hinzu oder sollen zusätzliche Merkmale gelesen werden, ist die All-in-One Kamera mit integrierter AI der Modellreihe VS die nächste Stufe. Für die beiden Kernaufgaben, vollständiger Auftrag und entfernter Liner, ist der kompakte AI Vision-Sensor der naheliegende und selbst einrichtbare Einstieg.

Häufige Fragen

F Wie prüft man, ob eine Klebstoffraupe vollständig aufgetragen ist?

A

Ein AI Vision-Sensor der Modellreihe IV4 verfolgt den gesamten Verlauf der Raupe im Bild und meldet eine Unterbrechung, sobald sie die definierte Mindestgröße überschreitet. In der Anwendungspraxis müssen Unterbrechungen ab etwa 1 mm sicher erkannt werden. Das Ergebnis geht als i.O./n.i.O. an die Steuerung und gibt das Fügen erst bei durchgehendem Auftrag frei.

F Wie erkennt man, ob ein Schutzstreifen oder Liner vollständig abgezogen wurde?

A

Der Sensor prüft an definierter Stelle, ob die charakteristische Farbe des Liners noch vorhanden ist, und meldet einen nicht entfernten Streifen. Weil ein Liner auch nur halb abgezogen sein kann, prüfen Anlagen häufig an beiden Enden eines langen Streifens. So fällt auch ein teilweise entfernter Abzieher auf, bevor gefügt wird.

F Warum ist die AI dem Kontrastsensor bei wechselnden Farben überlegen?

A

Ein Kontrastsensor arbeitet mit festen Schwellen und muss bei jedem Wechsel der Schalenfarbe neu eingestellt werden. Der AI Vision-Sensor trennt vorhanden von fehlend über eingelernte Beispielbilder und bleibt auch bei Wechsel von Edelstahl über Weiß zu Schwarz stabil. Das reduziert Nachjustieren, Stillstand und Pseudoausschuss an Anlagen mit häufigem Variantenwechsel.

F Reicht für die Linerkontrolle ein einfacher Reflexlichttaster?

A

Für eine reine Abzieher-Kontrolle an fester Position, bei stabiler Farbe und festem Untergrund, kann ein Reflexlichttaster mit Farb- oder Kontrastauswertung genügen. Sobald der Untergrund oder die Schalenfarbe wechselt oder mehrere Prüfstellen zusammenkommen, ist der lernende AI Vision-Sensor die robustere Wahl. Die Entscheidung sollte am realen Teil mit den tatsächlichen Farbvarianten fallen.

F Kann der Sensor direkt am Roboterarm oder Applikator montiert werden?

A

Ja. Ein kompakter AI Vision-Sensor mit integrierter Beleuchtung prüft direkt am Applikator, teils ab rund 50 mm Arbeitsabstand über der Klebestelle. Wichtig sind ein stabiles Lichtkonzept gegen Fremdlicht und eine reproduzierbare Prüfposition trotz Bewegung. Das Ergebnis verriegelt idealerweise den nächsten Schritt, sodass nur bei vollständigem Auftrag gefügt wird.

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